Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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eine einzige großmüthige Handlung hatte genügt, den Enthuſiasmus auf’s höchſte zu entflammen. Einem alten Gebrauch gemäß mußte das Volk beim Tode eines Königs der neuen Königin eine Steuer zahlen, welche den Namen„der Gürtel der Königin, la ceinture de la reine“ führte. Marie Antoinette, welche erfahren hatte, daß dieſe Steuer gerade die niedrigen und bedürftigen Claſſen treffe, daß die reichern und höhern Claſſen Mittel gefunden, ſich dieſer Abgabe zu entziehen, Marie An⸗ toinette bat den König ihr zu geſtatten, daß ſie dieſer Steuer entſagen dürfe, und der König gewährte ihr freudig dieſen Wunſch. Wie ein Lauffeuer verbreitete ſich die Nachricht durch ganz Paris; durch ganz Frankreich, und auf allen Straßen und Plätzen, in allen Cafés und Cabarets ſang das franzöſiſche Volk in dieſen Tagen:

Vous renoncez, charmante souveraine,

Au plus benu de vos revenus.

A quoi vous servirait la ceinture de reine

Vous avez celle de Vénus.*)

Das Volk, wie geſagt, jauchzte und lachte, überall begegnete man nur heitern, freudigen Geſichtern, und Niemand ſchien daran zu denken, daß mit der Thronbeſteigung eines neuen Königs immer auch die Trauer um den verlornen König verbunden ſei. Niemand dachte mehr an den König, welcher geſtorben war, Niemand beklagte ihn, Niemand trauerte um ihn; nur ein ſpeculativer Kopf gab ſich den Anſchein dies zu thun, und dieſe Coquetterie machte ihn zu einem reichen Mann. Dieſer ſpe⸗ enlative Kopf gehörte einem Juwelier an. Er ließ ſchwarze Tabatidèren anfertigen, auf deren von ſchwarzem Chagrin⸗Taffent, einem ſchweren Seidenſtoff, angefertigten Deckeln ſich das Bildniß der jungen Königin befand. Dieſe Tabatièren nannte man mit einem glücklichen Calem bourg: La consolation dans le chagrin! Jedermann wollte ein ſolches Bildniß der Königin, dieſes„Troſtes im Kummer“ haben, und mehr als hunderttauſend ſolcher Trauertabatièren wurden in den erſten acht Tagen in Paris verkauft.**)

Aber auch der König ſollte ſeinen Antheil haben an dieſem allge

*) Mémoires de Weber. Vol. I, p. 43. *n) Mémoires de Madame de Campan. Vol. I, p. 91

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