Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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gehören, glaube ich, auch zu den Freunden des Herzogs von Choiſeul, und da ich unglücklicherweiſe nicht zu denſelben gehöre, muß ich mir von Ihnen Auskunft erbitten. Man ſagte mir nämlich, der Herzog von Choiſeul habe ſein Landgut Chanteloup, wohin ihn der verſtorbene König exilirt hatte, verlaſſen, und ſei nach Paris gekommen. Iſt dies Gerücht begründet?

Ja, Sire, es iſt begründet. Der Herzog von Choiſeul befindet ſich ſeit heute morgen in Paris!

Aber was mag er da wollen? fragte der König mit der Miene vollkommener Unſchuld. Warum bleibt er nicht in Chanteloup? Wenn man ſo glücklich iſt, ein eigenes Landgut zu beſitzen, ſo iſt es jetzt gerade die Jahreszeit, um dort zu leben. Sie ſollten doch Ihren Freund darauf aufmerkſam machen. Und jetzt leben Sie wohl, Herr Graf, Sie kennen jetzt meine Miniſterliſte, und die Frau Oberhofmeiſterin wird ganz in Verzweiflung ſein. Haben Sie die Güte, ſie zu beruhi⸗ gen, und ihr zu ſagen, daß ſich die Königin jetzt in einem weniger ungewöhnlichen Téte-à-téte befände, in Geſellſchaft ihres Gemahls!

V. Das erſte Spottgedicht.

Der junge königliche Hof hatte das Schloß Choiſy verlaſſen, und ſich nach dem Schloß La Muette nahe bei Paris begeben. Dort ſollte die erſte große Trauercour ſtattfinden, dort wollte die Königin alle die berechtigten Damen in großer öffentlicher Cour empfangen, welche den Wunſch heg⸗ ten, ihrer neuen Souveränin vorgeſtellt zu werden. Und in dieſen Zeiten des jungen Enthuſiasmus wollte jede Dame zu dem Glück ge⸗ langen, glühten Alle vor Verlangen, die ſchöne, liebreizende, junge Kö⸗ nigin zu ſehen, welcher das franzöſiſche Volk laut entgegenjubelte, und welcher die Pariſer in dieſen Tagen in Verſen und Gedichten, in Bil⸗ dern und Darſtellungen aller Art huldigten. Denn Marie Antoinette hatte ſich die Herzen des Pariſer Volkes zu gewinnen verſtanden, und

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