Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Noch ein Wort, Herr Graf, ſagte er. Senden Sie heute noch einen Courier nach Wien?

Zu Befehl, Sire, in einer Stunde ſchon!

Alsdann erlauben Sie mir, Ihnen ein Geheimniß mitzutheilen, welches bis jetzt nur noch von Wenigen gekannt iſt, und welches, wie ich glaube, auch Ihro Majeſtät die Kaiſerin intereſſiren wird. Die neue Miniſterliſte!—

Haben Ew. Majeſtät Ihre Miniſter denn ſchon ernannt? keegi die Königin erſchrocken.

Der König nickte bejahend. Es war meine erſte und heiligſte Pflicht, ſagte er ernſt, mir erfahrene und tüchtige Räthe an die Seite zu ſetzen, welche meine Unerfahrenheit zu leiten und mich zu unterſtützen vermöchten. Ich durfte daher dieſe Pflicht nicht verſäumen. Ich habe deshalb Miniſter gewählt, welche mit den Regierungsgeſchäften vertraut ſind, und ſich ſchon früher als tüchtige Miniſter bewährt haben.

Die Augen der Königin leuchteten höher auf, und ſelbſt der Graf Mercy erlaubte ſeinen Mienen einen Ausdruck freudiger Ueberraſchung.

Ich bitte Ew. Majeſtät, nennen Sie die Miniſter, denn Sie ſehen wohl, ich glühe vor Ungeduld, ihre Namen zu erfahren, rief Marie Antoinette.

Zuerſt alſo, ſagte der König lächelnd, Herr von Maurepas.

Die Königin ſtieß einen leiſen Schrei der Ueberraſchung aus. Herr von Maurepas? fragte ſie verwundert. Der Miniſter des Re⸗ genten von Orleans, der ſeit vierzig Jahren in der Verbannung lebt?

Derſelbe, ſagte der König ernſt. Er war ein Freund meines Va⸗ ters, und wird daher ſeinem Sohn nicht ſeinen Rath und Beiſtand verſagen. Er iſt alt genug, um die Eitelkeiten dieſer Welt verachten zu können, und vierzig Jahre des Exils ſind wohl geeignet, ſelbſt einen etwas lebensluſtigen Miniſter der Regentſchaft in einen Philloſophen und Stoiker zu verwandeln. Herr von Maurepas wird alſo mein erſter Miniſter und Rathgeber ſein, denn da ich das Unglück habe mit zwanzig Jahren ein König zu ſein, ſo muß ich mich wohl bemühen, alte erfahrene Miniſter zu haben, deren Alter und Weisheit den Mangel meiner Jugend ausgleicht.

Und wer wird der Nachfolger des Herzogs von Aiguillon ſein?