Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Herr Graf Mercy durch den öſterreichiſchen Courier vier Schriftſtücke für Ew. Majeſtät erhalten würde, erſtens ein officielles Schreiben der Kaiſerin, ſodann aber ein zweites geheimes Schreiben, eine Art In⸗ ſtruktion, zum dritten eine Liſte von Perſonen, welche die Kaiſerin Ihnen empfiehlt, und zum vierten einen Brief des Kaiſers Joſeph. Und von dem Allen iſt nun kein Wort wahr, und Sie haben der Königin nur dies officielle Schreiben gebracht, nicht wahr, Herr Graf von Mercy? Es iſt ſo, wie Ew. Majeſtät zu ſagen geruhen, ſagte der Graf leiſe und verwirrt, während Marie Antoinette erröthend und verlegen die Augen niederſchlug.

Der König weidete ſich einen Augenblick an ihrer Befangenheit; er ſchien mit Behagen dieſen erſten Triumph ſeines jungen Königthums zu genießen und ein Lächeln flog über ſeine gutmüthigen, etwas plum⸗ pen Züge hin.

Sie ſehen alſo, ich war vollkommen falſch berichtet, ſagte er dann freundlich, und es ſcheint wirklich, als wenn die öſterreichiſchen Beamten ſchwerer zu beſtechen ſind, als es leider die franzöſiſchen zu ſein ſcheinen, denn, wie ich höre, hat der Graf von Mercy und der Fürſt Kaunitz gar keine Schwierigkeiten gefunden, das Geheimniß aller unſerer Chif⸗ fern zu erfahren, und von jeder Depeſche Abſchrift zu erhalten. Nun, wie dem auch ſei, wir werden es machen, wie die Königin, wir werden unſer Leben und Betragen ſo einrichten, daß wir die Oeffentlichkeit nicht zu ſcheuen haben, und vor den Redlichen und Guten beſtehen können, denn den Böſen und Uebelwollenden wird man es doch niemals recht machen können. Aber da fällt mir ein, daß nnſere gute Frau Oberhofmeiſterin noch immer nicht von ihrer Angſt und Unruhe erlöſt iſt, und das Tetea-tete mit dem Geſandten einer auswärtigen Macht noch nicht beendet glaubt. Sie wird nicht ruhig werden, bis ſie Sie im Vorſaal geſehen hat, Herr Graf!

Ew. Majeſtät möge mir alſo erlauben, mich zu beurlauben, ſagte Graf Mercy, ſich tief verneigend.

Der König entließ ihn mit einem leichten Köfriten. während ihm die Königin mit einem gütevollen Blick die Hand darreichte.

Als der Graf dann ſchon im Begriff war das Zimmer zu verlaſſen,

war es der König indeß, welcher ihn zurückrief..