Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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nigin, welche ihm mit immer höher erglühenden Wangen, mit immer feuriger aufblitzenden Augen zugehört hatte.

Ich bin zu Ende, und ich danke Ew. Majeſtät, daß Sie die Gnade gehabt, mich ſo lange anzuhören.

Hören Sie auch jetzt meine Antwort, Herr Graf, rief die Königin, indem ſie ſich aus ihrem Fauteuil erhob, und groß und ſtolz dem Grafen gegenüber ſtand. Sie haben mir geſagt, daß es für mich hier mächtige Feinde giebt, welche es mir niemals vergeben werden, daß eine öſterreichiſche Prinzeſſin Königin von Frankreich geworden. Sie haben mich ermahnt, gegen dieſe Feinde auf meiner Huth zu ſein, und ihnen wo möglich einige Zugeſtändniſſe zu machen. Sie ſind noch weiter gegan⸗ gen, Sie haben mir Frau von Noailles als die Repräſentantin der Tugend, Ehrbarkeit und Sitte dargeſtellt, als die Blüthe des reinſten und älteſten Adels Frankreichs, und Sie haben Sich nicht undeutlich merken laſſen, daß, wenn die Frau von Noailles mich eines Tages verließe, mich damit auch die Tugend und Ehrbarkeit und außerdem noch der hohe Adel Frankreichs verlaſſen würden. Oh, vertheidigen Sie Sich nicht, denn Ihre Worte haben mich nicht beleidigt, da ich weiß, daß ſie aus einem treuen Herzen kamen. Aber hören Sie nun auch, was ich darauf zu erwiedern habe! Ich kenne meine Feinde, und ich fürchte ſie nicht, ich werde ihnen niemals Zugeſtändniſſe machen, ſie nie⸗ mals zu verſöhnen ſuchen, denn ſolches ſcheint mir der Königin von Frankreich, wie der Tochter der Kaiſerin von Oeſterreich gleich unwürdig zu ſein. Mit offnem Viſier, mit unverhüllter Bruſt werde ich meinen Feinden entgegentreten, und ich werde ihnen nicht den Triumph gönnen, daß ſie mich jemals zittern, jemals zurückweichen ſehen ſollten. Ich werde mich auch gegen ihre Verleumdungen und ihre Anklagen niemals vertheidigen, nur ſoll mein ganzes Leben und jeder Tag meines Lebens meine Vertheidigung ſein, und damit es ſo ſein könne, muß Jedermann mein Leben ſehen und es beobachten können. Ich werde daher der Gräfin von Noailles keine Zugeſtändniſſe machen, denn ich bedarf keiner Eti⸗ quette, um meine Tugend zu ſchützen, keines Ceremoniells, um mir die Grenzen zu bezeichnen, welche die gute Sitte der Königin von Frank⸗ reich, wie jeder andern Frau vorſchreibt. Ich ſage„wie jeder andern Frau,“ Herr Kraf, denn ich will mir das Recht bewahren, nicht blos 8*