40 VI.
Das Feſt der Alebernahme Polens.
Der entſcheidende Schritt war geſchehen; die drei Mächte, ſo lange in Feindſchaft und Haß getrennt, hatten ſich jetzt in Liebe und Freund⸗ ſchaft vereinigt, um gemeinſam dem unglücklichen Polen die Ruhe und den Frieden zu geben, nach welchem es ſelber in ewigen Kämpfen und mit blutigen Thränen ſo lange vergeblich gerungen hatte. Polen mußte büßen für ſeine Schuld und ſeine Fehler, und da es nicht verſtanden, ſich ſelber zu regieren, waren die drei Mächte herbeigekommen, um als bedrohte Nachbarn dem König Stanislaus bei der Regierung Polens behülflich zu ſein, und einen Theil der Laſt, welche offenbar für ſeine Schultern zu ſchwer war, von denſelben abzuwälzen.— Vergebens hatte Stanislaus Auguſtus ſich lange geweigert, dieſen freundnachbar⸗ lichen Hülfsleiſtungen ſeine Zuſtimmung zu geben, vergebens hatte er ſich an England und Frankreich um Hülfe gewandt. Beide Mächte wollten um des unglücklichen, von langen Kämpfen zerfetzten und zer⸗ tretenen Polens willen nicht einen Krieg mit den drei Verbündeten wa⸗ gen, welche mit gezückten Schwertern ſich an den Grenzen ihrer durch
die Feder eroberten neuen Beſitzungen aufgeſtellt hatten, und bereit
waren mit vereinter Macht ihre neuen Länder zu vertheidigen.
Wohl hatte König Stanislaus da in dem erſten Sturm ſeiner Verzweiflung geſchworen: er werde ſich eher die rechte Hand abſchlagen laſſen, als mit derſelben die Theilungsacte, welche die drei Mächte ihm zur Unterſchrift vorgelegt, unterzeichnen. Die Mächte, von des Königs langem Widerſtand erzürnt, erklärten endlich durch ihren Geſandten in Warſchau:„es giebt eine Grenze der Mäßigung, welche Gerechtigkeit und Würde den Höfen vorſchreibt,“ und an dieſer Grenze ſtänden ſie jetzt, die ſchleunige Annahme des Theilungsvertrages erwartend.*) Der ruſſiſche Botſchafter aber fügte drohend hinzu, wenn der König ſich wei⸗
e, die Theilungsacte zu vollziehen, und einen Reichstag zu berufen, der die Eroberungen anerkenne, ſo werde den König und ſein Land das
*) v. Raumer. Beiträge zur neueren Geſchichte. Th. IV. S. 516.
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