Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Der Fürſt ſtieß einen dumpfen Schrei aus, und ſchlug ſeine bei⸗ den Hände vor ſein todtenbleiches, zuckendes Angeſicht. Ich bin ver⸗ loren, murmelte er leiſe, und tiefe ſchmerzliche Seufzer drangen aus ſeiner Bruſt hervor.

Die Kaiſerin ſchaute mit finſtern, mißtrauiſchen Blicken zu ihm hin, dieſe ſo plötzliche, ſo heftige Bewegung des ſtolzen Fürſten ſchien ſie zu überraſchen, und ihr Zweifel über die Aechtheit derſelben zu erregen.

Wozu dies Comödienſpiel, Herr Fürſt Erzbiſchof? fragte ſie raſch. Es iſt gar nit nöthig eine Scene der Zerknirſchung zu ſpielen, denn ich ſage Ihnen, ich zürne Ihnen um meinetwillen gar nicht.

Aber die Dauphine wird es mir niemals verzeihen, ſagte der Fürſt leiſe und mit zitternder Stimme, indem er ſeine Hände langſam von ſeinem Angeſicht niedergleiten ließ. Vergeben mir Ew. Majeſtät dieſe Scene der Zerknirſchung, die aber, das ſendihe ich, kein Comödien⸗ ſpiel war. Ich ſah in dieſem fürchterlichen Moment nur mit prophe⸗ tiſchem Aug' hinein in die Zukunft, und ich ſah da viel Kummer und viel Thränen!

Kummer und Thränuen für wen? fragte die Kaiſerin verächtlich.

Kummer und Thränen für mich, und vielleicht auch für die Dau⸗ phine. Sie hält mich jetzt für ihren Feind und wird darnach handeln. Der Haß der Feindſchaft aber iſt ein zweiſchneidiges Schwert, mit dem man eben ſo leicht ſich ſelbſt, als ſeinen Feind verwunden kann. Ich bitte Ew. Majeſtät nicht um Vergebung für jene Worte, welche ich ge⸗ ſchrieben, ich weiß, daß Maria Thereſia groß genug denkt, um den Ir⸗ renden verzeihen zu können, aber noch in dieſem Moment beſchwöre ich Ew. Majeſtät, warnen Sie die Dauphine! Laſſen Sie dieſelbe nicht weiter gehen auf dieſem gefährlichen Pfad, den ſie betreten hat. Sie

iſt eine Nachtwandlerin, welche nicht ſieht, daß ſie am Rande eines

Abgrundes dahinſchreitet. Warten Ew. Majeſtät es nicht ab, daß Ihre Feinde Ihnen zuvorkommen, und die Dauphine mit lautem Zuruf er⸗ wecken, denn ſie würde alsdann hinunterſtürzen in den Abgrund. Noch iſt es Zeit, Majeſtät, noch kann dem Unheil vorgebeugt werden! Marie Antoinette iſt ein holder Engel der Unſchuld, Keuſchheit und Güte, aber die Welt, in welcher ſie lebt, verſteht nicht die Sprache der Engel, und um nicht von ihrer Reinheit und ihrem Glanz geblendet zu werden