Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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rüſteter Tugend erzählen ſie von noch andern Beluſtigungen, die freilich am franzöſiſchen Königshofe ganz unerhört ſind.

Und worin beſtehen dieſe Beluſtigungen?

Darin, daß die Frau Dauphine ſich heimlich, ohne Wiſſen und Erlaubniß Sr. Majeſtät des Königs, ein Liebhabertheater hat einrich⸗ ten laſſen.

Ein Liebhabertheater? rief die Kaiſerin entſetzt. Das iſt nicht

wahr, das iſt nicht möglich! Das iſt wieder eine der boshaften Erfin⸗

dungen von den Feinden der Dauphine!

Verzeihen Ew. Majeſtät, es iſt die Wahrheit! ſagte der Kardinal ernſt. Man ſpielt jetzt bei Hofe heimlich Theater. Die Dauphine und die beiden neuvermählten Prinzeſſinnen von Frankreich übernehmen die Damenrollen, die Herrenrollen werden von den beiden Brüdern des Königs ausgeführt, und wenn dieſe nicht ausreichen, erlaubt man dem Geheimſecretair der verſtorbenen Königin, Herrn von Campan und deſſen Sohn, welcher eine gleiche Charge bei der Frau Dauphine verſieht, am Theaterſpiel Theil zu nehmen, und neben den Prinzen und Prin⸗ zeſſinnen zu agiren. Die hohe Truppe hat ihre Bühne in dem Zim⸗ mer eines Entreſols aufgeſchlagen, der unbenutzt und der Dienerſchaft nicht zugänglich iſt. Der Herr Graf von Provence gilt für den erſten Liebhaber der Geſellſchaft, aber auch der Graf von Artois ſpielt mit vieler Grazie. Ueber das Spiel der Prinzeſſinnen erlaube ich mir kein Urtheil. Das Hauptſtudium der Damen ſoll ſich auf die ſchönen und prachtvollen Coſtüme beziehen, und darin ſollen alle Drei die größten Künſtlerinnen ſein, und glänzend mit einander rivaliſiren.

Maria Thereſia ſchien dieſe boshafte Bemerkung des Kardinals gar nicht gehört zu haben. Und wer ſind die Zuſchauer? fragte ſie haſtig.

Die hohen Schauſpieler haben nur Einen Zuſchauer, Majeſtät.

Der Herr Dauphin allein macht das ganze Publikum der hohen

Truppe aus. 2 Maria Thereſia athmete erleichtert auf, und ein Lächeln verklärte ihr Angeſicht. 3 Der Kardinal fuhr fort: Selbſt die Prinzeſſinnen⸗Tanten des

Dcauphins hat man nicht in das Geheimniß eingeweiht, weil man ih⸗