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ren ſtrengen Tadel fürchtet, und meint, ſie würden es für ihre Pflicht erachten, den König von dieſen ſeltſamen und unerhörten Beluſtigun⸗ iſ gen, denen die königlichen Prinzen und Prinzeſſinnen ſich hingeben, in
4 Kenntniß ſetzen, damit er denſelben durch ein Machtwort ſofort ein ü
4 Ende gebe!
Ich werde der Dauphine den Rath geben, dieſe Art der Unter⸗ die
¹ 3 haltung aufzugeben, ſagte die Kaiſerin ruhig, nicht weil ich ſie unpaſſend ge
8 finde, ſondern weil ſie ihren Feinden eine willkommene Gelegenheit zur d
Mediſance giebt. Wenn die Dauphine für ihre Theaterbeluſtigungen 8 die Billigung ihres Gemahls hat, und dieſer allein Zeuge derſelben iſt,
3 ſo ſollte das eigentlich ſelbſt ihren Feinden genügen, und überdies iſt fr 1 es, wie mir ſcheint, gar nicht eine ſo unerhörte und fürchterliche Sache,
* die königlichen Prinzen und Prinzeſſinnen ſich mit Comödienſpiel be⸗ d
luſtigen zu ſehen. Ich will nicht daran erinnern, daß König Lud⸗ ſt
wig XIV. als junger König vor ſeinem ganzen Hofe als Tänzer im 1
0 Coſtüm auf der Bühne erſchien, aber in den Tagen der frommen und tugendhaften Madame de Maintenon ſelbſt war das Theaterſpielen
am Hofe von Verſailles erlaubt, und in den Zimmern dieſer Dame b
führten die königlichen Prinzen und Prinzeſſinnen die Dramen von d
Corneille und Racine auf. r
Aber ſie hatten mindeſtens dazu die Billigung des Königs, ſie r
handelten nicht heimlich hinter ſeinem Rücken; außerdem befand ſich aber 3
auch unter den Schauſpielerinnen keine zukünftige Königin von Frankreich. h 1
Der Dauphine von Frankreich mag indeſſen erlaubt ſein, was die
Königin von ſelber unterlaſſen wird! rief die Kaiſerin. Da man ihr erlaubt in Verſailles das junge Mädchen zu bleiben, das ſie in Schön⸗ brunn geweſen, ſo darf man ſich nit wundern, daß ſie ihre jungen.
Mädchenſpiele fortſetzt, und daß die Dauphine in Verſailles mit ihren Schwägern und Schwägerinnen eben ſo vergnügt Theater ſpielt vor ihrem Gemahl, wie ſie es in Schönbrunn mit ihren Schweſtern und H½ Brüdern vor ihrer Mutter gethan!
Die Etiquette ſcheint allerdings an beiden Höfen ſehr verſchieden zu ſein, bemerkte der Kardinal mit leichtem Achſelzucken. Hier in Wien zum Beiſpiel iſt den Erzherzoginnen erlaubt, was man in Paris der Dauphine als einen unverzeihlichen Verſtoß gegen die Etiquette auslegt.
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