Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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wenn ſie nur wollte, ſagte der Kardinal achſelzuckend. Unglücklicher⸗

weiſe ſcheint die Dauphine aber ihre Feinde gar nicht zu fürchten, und

ſtatt ſie zu bekämpfen, giebt ſie ihnen immer neue Angriffswaffen in die Hände! 1

Nun, was iſt's? fragte die Kaiſerin ungeduldig. Was für Kla⸗ gen giebt es wieder gegen die Dauphine? Sprechen Sie, Herr Kardinal.

Ew. Majeſtät ſind die Einzige, vor welcher der hohe und ſtolze Sinn der Dauphine ſich willig beugt. Marie Antoinette ehrt und liebt Sie als ihre Mutter, ſie erkennt Ihre Größe und Ihren Geiſt als Regentin und Frau an. Wenn Ew. Majeſtät der Dauphine daher einen Rath ertheilen, ſo wird er für ſie doppelt in's Gewicht fallen und ſie wird ihm folgen als gehorſame Tochter, und als dankbare Ver⸗ ehrerin der hohen Tugenden Ihrer Majeſtät.

Und welchen Rath ſoll ich meiner Tochter geben?

Den Rath, Majeſtät, daß die Frau Dauphine ihren Feinden we⸗ niger Veranlaſſung gebe, ſie der Leichtfertigkeit und der gänzlichen Ver⸗ achtung aller Etiquette zu zeihen.

Wer wagt es, die Dauphine der Leichtfertigkeit zu zeihen? rief

die Kaiſerin mit zornblitzenden Augen.

Diejenigen wagen das, die in der Verderbniß ihres eigenen Her⸗ zens die Harmloſigkeit der Unſchuld mit der Rückſichtsloſigkeit der Leicht⸗ fertigkeit verwechſeln, und das für überlegtes Handeln nehmen, was doch nichts iſt, als das unüberlegte Sichgehenlaſſen eines keſähnn und nichts Böſes ahnenden Sinns!

Der Herr Cardinal belieben in Räthſeln und Sentenzen zu ſpre⸗ chen, die ich nicht verſtehe! rief die Kaiſerin.

Ich werde mir erlauben, mich verſtändlich zu machen, ſagte der Cardinal lächelnd. Es giebt viele Dinge, die an ſich harmlos und un⸗ ſchuldig ſind, die aber durch die Umſtände und durch die Augen, von denen ſie betrachtet werden, gerade den entgegengeſetzten Charakter an⸗ nehmen. Die Frau Dauphine begeht daher nur deshalb Fehler, weil ſie ſelber zu unſchuldig und harmlos iſt, und es nicht begreift, daß an⸗ dere Menſchen es weniger ſind als ſie! In ihrer hohen Stellung iſt es aber leider nicht immer erlaubt unſchuldig und hannlos zu ſein,