Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Ich erſuche den Herrn Kardinal jetzt zur Sache zu kommen, rief ſie ungeſtim. Weshalb haben Sie dieſe Audienz gewünſcht? Was be⸗ gehrt der Geſandte Frankreichs von der Kaiſerin von Oeſterreich?

Erlauben mir Ew. Majeſtät zu ſagen, daß, wenn ich blos als der Geſandte Frankreichs hierher gekommen wäre, um von der Kaiſerin von Oeſterreich in einer Audienz empfangen zu werden, Ew. Majeſtät dann mich nicht allein, ſondern umgeben von Ihrem Hofſtaat, mit dem gan⸗ zen Ceremoniell Ihrer Kaiſerwürde im großen Thronſaal würden empfan⸗ gen haben, während ich begleitet von meinen Attaché's, meinen Offi⸗ cieren und Cavalieren würde erſchienen ſein. Ew. Majeſtät erzeigen mir aber die Gnade mich allein zu empfangen, ohne Ceremoniell von beiden Seiten, daraus folgt, daß ich nicht bloß hier der Kaiſerin von Oeſterreich als officieller Geſandter Frankreichs gegenüber ſtehe, ſon⸗ dern daß die erhabene Mutter der Dauphine auch mir, dem Kardinal und dem Couſin des Dauphins eine vertrauliche Audienz gewährt hat!

Das heißt mit andern Worten, Sie ſind hierher gekommen, um abermals über die Frau Dauphine Klage zu führen, rief Maria The⸗ reſia heftig. Sie wollen wieder mit den Unannehmlichkeiten anfangen, um deretwillen ich es ſeither vermieden habe, den Herrn Kardinal allein zu ſprechen!

Nein, Majeſtät, das heißt, ich betrachte es als eine heilige, unab⸗ weisbare Pflicht für mich, zu Ew. Majeſtät vertraulich zu ſprechen, für die Mutter der Dauphine, mich vertrauensvoll anzuhören.

Nun, die Mutter der Frau Dauphine hört Sie an, rief die Kai⸗ ſerin, das Wort Frau ſcharf betonend.

Verzeihen mir Ew. Majeſtät dieſen anſcheinenden Verſtoß gegen das Ceremoniell, ſagte der Kardinal lächelnd. Allein als Kirchenfürſt ſteht es mir vor allen Dingen zu, die Wahrheit zu ſagen, und die Wahrheit iſt, daß die Dauphine von Frankreich noch immer nicht die Frau Dauphine iſt! Ew. Majeſtät wiſſen das ſo gut als ich!

Ich weiß, daß es den Feinden meines Hauſes und meiner Tochter noch immer gelingt, den Dauphin in ſcheuer und feindſeliger Entfernung von der Dauphine zu halten, rief die Kaiſerin ſchmerzlich.

Aber die Dauphine beſitzt in ihrer Schönheit, Anmuth und Lie⸗

benswürdigkeit Waffen, mit denen ſie alle ihre Feinde beſiegen könnte,

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