Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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haben kein Erbarmen geübt, nun wohl, ich werde auch keines üben! Aber minder feig wie Sie, welcher mich bis zum letzten Moment mit einer Lüge betrog, ſage ich es Ihnen, und Sie mögen nun auf

Ihrer Huth vor nir ſein! Ich ſage Ihnen, ich werde mich an Ih⸗

nen rächen!

Ich fürchte Ihre Rache nicht, ſagte Eſterhazy freundlich, nein, ich fürchte Sie nicht, denn ich vertraue Ihrem ſtolzen und edlen Her⸗ zen. Eine wird es meiner Liebe gelingen von Ihnen Verzei⸗ hung zu erlangen für dieſe kleine Liſt, mit welcher ich Sie heute hinter⸗ ging. Ich danke es dieſer Liſt, daß ich jetzt das Glück habe, das ſchönſte, edelſte und reinſte Weſen als meine Gemahlin in mein Haus geführt zu haben!

Sie ſollen dies Glück theuer büßen! rief ſie mit einem rau⸗ hen Lachen.

Ich nehme jede Buße an, welche Sie mir auferlegen, ſagte er lächelnd, indem er ſich ihr näherte. Aber der Sünder, welcher gebüßt hat, wird ja vom Himmel wieder in Gnaden aufgenommen! Sie ſind mein Himmel, Leonore, und eines Tages werden Sie mir gnädig ſein, wie er!

So gnädig, wie der Himmel mir geweſen! rief ſie, ihre großen, blitzenden Augen mit einem zornigen Ausdruck zum Himmel erhebend. Gehen Sie, mein Herr, wir haben jetzt genug geredet, von jetzt an werden wir handeln! Gehen Sie!

Wie, Leonore, rief der Graf lächelnd, Sie wollen mich verbannen? Sie wollen mir nicht einmal das ſüße Recht gönnen, neben Ihnen zu ſein? Zürnen Sie mir, aber ſeien Sie nicht grauſam! Geſtatten Sie mir wenigſtens, auf die keuſchen und reinen Lippen meiner ſchönen Ge⸗ mahlin einen Kuß, den erſten Kuß meiner Liebe zu drücken.

Und mit einer raſchen und unvorhergeſehenen Bewegung ſtürzte er zu ihr, und preßte ſie mit Ungeſtüm in ſeine Arme.

Leonore ſtieß einen wilden und drohenden Schrei aus, und mit einem einzigen heftigen Ruck machte ſie ſich aus ſeinen Armen los, und ſtieß ihn von ſich.

Keuchend vor Anſtrengung, bleich vor Zorn, mit blitzenden Augen ſaand ſie dem Graſen gegenüber.