Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Das Lächeln blieb noch immer auf dem Antlitz der Gräfin, es war die lieblichſte, glücklichſte Braut, welche man ſehen konnte.

Der Geiſtliche begann ſeine Rede, in tiefer Andacht hörte die hohe Verſammlung, hörte das Brautpaar ihm zu. Aus dem Oratorium ſchaute die Kaiſerin mit theilnehmenden, freundlichen Blicken auf das Brautpaar hin.

Jetzt waren die einleitenden Worte des Geiſtlichen beendet, und das eigentliche Trauungs⸗Ceremoniell begann. Der Prieſter wandte ſich an den Grafen, und forderte ihn auf, es laut vor aller Welt mit einem Ja zu beſtätigen, daß er die Comteſſe Leonore von Starhemberg zu ſeiner ehelichen Gemahlin annehmen, als ſolche ſie ehren, lieben und hochhalten wolle. 3

Eine kleine Pauſe trat ein, mit einem ſüßen, teanbennen Lcheln

ſchaute Leonore auf ihren Bräutigam hin.

Erſtaunt von dem Zaudern deſſelben, wandten ſich Aller Augen auf den Grafen hin; dieſer richtete ſeine Blicke hinüber nach dem Ora⸗ torium der Kaiſerin, er ſah das zornige Aufblitzen ihrer Augen, er ſah die düſtern Falten, welche ſich auf ihrer Stirn*

Iſt es Ihr Wille, dieſe Frau zu ehelichen, ſo b Sie ſol⸗ ches mit einem lauten und feierlichen Ja! wiederholte der Geiſtliche mit lauterer Stimme.

Jal ſagte Graf Eſterhazy, unverwandt hinüberſchauend nach der Kaiſerin.

Ein Schrei tönte von den Lippen der Gräfin, Todtenbläſſe bedeckte ihre Wangen, und einer Ohnmacht nahe war ſie im Begriff umzuſin⸗ ken. Aber plötzlich fühlte ſie ſich von einem Arm gehalten und empor gerichtet, und eine leiſe bittende Stimme flüſterte in ihr Ohr: arme Gräfin, erinnern Sie Sich, daß das Kloſter Sie bedroht!

Leonore erkannte ſehr wohl die Stimme des Kaiſers, ſie wußte, daß er es war, welcher ſie aufrecht hielt, ſie fühlte alle die neugierigen, ſtaunenden höhnenden Blicke, welche ſich auf ihr Antlitz bohrten, und ein trotziger, verzweiflungsvoller Muth kam über ſie.

Ohne ihn nur anzublicken richtete ſie ſich aus dem Arm des Kai⸗ ſers empor, und nahm haſtig das Riechfläſchchen, das die herzugetre⸗ tene Oberhofmeiſterin ihr darreichte. In vollen Athemzügen ſog ſie Kaiſer Joſeph. 2. Abth. III.