Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

dürfte ich denn Mitleid haben m

13

Ah, rief er lächelnd, wenn ich nicht Mitleid habe mit Ihnen, wie nit mir? Wer das höchſte Glück errin⸗ ſein eigenes daran zu wagen! Ich baue auf

gen will, muß bereit ſein, daß es ihr gelingen werde, Ihren Haß zu

die Stärke meiner Liebe, beſiegen! Sie ſind alſo ganz unbeugſam? fragte ſie entſetzt.

Unbeugſam, denn ich liebe Sie! ſagte er mit ſeiner ſanften, freund⸗ lichen Stimme.

Sie ſchleuderte auf ihn einen Blick wilden Haſſes.

Nun wohl denn, rief ſie trotzig. Aber ſo wahr ein Gott im Himmel iſt, Sie werden eines Tages dieſe Stunde bereuen.

Er zuckte leicht die Achſeln. Kommen Sie, Comteſſe, ſagte er, es iſt die höchſte Zeit. Die Kaiſerin erwartet uns mit dem ganzen kaiſer⸗ lichen Hofſtaat, und mit ihrem Sohn, dem Kaiſer, in der Kammerkapelle!

Eine Purpurröthe überdeckte einen Moment das Antlitz Leonorens, und mit einer raſchen Bewegung hüllte ſie ſich in ihren Schleier ein. So kommen Sie, ſagte ſie nach einer Pauſe, laſſen Sie uns zur Trauung gehen.

Sie näherte ſich mit haſtigen Schritten der Thür, aber als Graf Eſterhazy im Begriff war dieſe zu öffnen, legte ſie haſtig ihre beiden Hände auf ſeinen Arm und hielt ihn zurück. ²

Nein, nein, ſagte ſie athemlos, es iſt unmöglich! Ich kann nicht! Und plötzlich, ganz überwältigt von ihrer tiefen innern Bewegung,

glitt ſie auf ihre Kniee nieder, und ſtreckte flehend ihre Hände zu demn

Grafen empor.

Haben Sie Erbarmen mit mir, Seele, welche verloren iſt, wenn Sie mich doch von dem furchtbaren Unheil, Ihnen Ihre Ruhe und Ih Seele koſten wird. Denn gehen, wenn ich jetzt thun muß, mein Herz ſich aufbäumt. Ich habe einen wi das Unglück wird ihn zu Stein verhärten, Blüthen meines Gemüthes brechen, und ich werde ein kaltes, boshaftes, rachſüchtiges Weib werden! Ich fühle das,

rief ſie, Erbarmen mit meiner ſie nicht erretten. Oh erlöſen Sie das uns Beide bedroht, das

ich ſage Ihnen, ich werde verloren

wogegen meine Vernunft und lden, ſtörriſchen Sinn,

1

ren Frieden, das mir das Heil meiner

es wird alle die ſanfteren

ich habe das klar erkannt