Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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Sie nicht liebe, Sie niemals lieben werde, ja, in der Verzweiflung

meines Herzens habe ich Sie zum Vertrauten eines Geheimniſſes ge⸗ macht, das bis dahin, außer Ihnen, meine Lippen kaum Gott geſtan⸗ den hatten. Ich habe Ihnen geſagt, daß ich einen andern Mann liebe, zärtlich, leidenſchaftlich liebe! Oh, nicht wahr, Sie ſind jetzt gekommen, um mir zu ſagen, daß Sie mich retten wollen? Nicht wahr, Sie be⸗ ben zurück vor Ihrem fürchterlichen Vorhaben? Sie werden ein Mäd⸗ chen nicht zwingen Ihre Gemahlin zu werden, welche nimmer einwil⸗ ligen würde Ihnen ihre Hand zu geben, wenn ſie nicht auf der an⸗ dern Seite mit dem Kloſter bedroht würde. Oh mein Gott, ſeien Sie barmherzig, ſagen Sie mir, daß Sie uns Beide erlöſen wollen von der Zukunft, daß Sie den Muth gefunden, dem tyranniſchen Befehl der Kaiſerin entgegen zu treten, daß Sie ihr nicht gehorſamen wollen!

Ich habe einen höhern, einen köſtlichern Muth gefunden, rief Graf Eſterhazy, ſie mit glühenden Blicken anſchauend, den Muth Ihnen zu trotzen, und Ihres Zorns und Ihrer Weigerung unerachtet, die wun derholde, bezaubernde Gemahlin anzunehmen, welche die Gnade der Kaiſerin mir gewähren will!

Dann ſind Sie ein Elender! rief ſie mit einem flammenden Zor⸗ nesblick..

Ich verzeihe Ihnen dieſes Wort, weil ich Sie liebe, ſagte er lächelnd.

Aber wenn Sie nicht Mitleid haben wollen mit mir, ſagte ſie faſt flehend, mein Gott, ſo haben Sie es doch mit Sich Selber. Hat Ihnen mein Oheim nicht erzählt von meinem wilden, unbändigen Sinn? Hat

er Ihnen nicht geſagt, wie ich ihn martere und quäle mit meinen Launen? Nun wohl, und ich liebe meinen Oheim! Urtheilen Sie alſo, welch ein Leben ich Ihnen bereiten würde, Ihnen, welchen ich jetzt nicht liebe, welchen ich haſſen würde, wenn er mich zwingt ſeine Gemahlin zu werden. Oh, mein Herr, glauben Sie es mir, ich verſtehe mich auf den Haß, und ich würde mich in meinem Haß an Ihnen zu rächen wiſſen! Haben Sie alſo Mitleid mit Sich Selber! Nehmen Sie nicht eine Gemahlin an, welche es zur einzi⸗ gen Aufgabe ihres Lebens machen würde, Sie noch elender und un⸗ gläcklicher zu machen, als ſie es ſelber iſt.