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hohe ſchlanke Geſtalt ſich ausnahm in dieſem ſchweren weißen Stoff⸗ kleid, das bis zu der ſchlanken zarten Taille beſetzt war mit Silber⸗ ſpitzen von unſchätzbarem Werth, und in einer langen weißen Schleppe endigte, die wie ein glänzender Schwan hinter ihr herrauſchte. Wie köſtlich das Collier von Diamanten funkelte, das ihren vollen weißen Hals umgab, und in einzelnen Zacken und Spitzen niederfiel auf die ſchönen Schultern und den von Silberſpitzen leicht verhüllten Buſen. Wie prächtig dieſes Diadem von Myrten, deren Blüthen aus Dia⸗ manten beſtanden, ſich ausnahm in dem tiefſchwarzen, nur leicht von Silberpuder angehauchten Haar, das einer hohen, ſtolzen Krone gleich ſich über der Stirn der Gräfin erhob, und von welchem ein langer ſilberdurchwirkter Schleier bis auf ihre Füße niederfiel, der, wenn ſie ſich bewegte, die ganze wunderholde Erſcheinung wie glitzernde, von der Sonne beſchienene Schneeflocken umrieſelte. Aber wie wenig paßte der Ausdruck ihres Antlitzes zu dieſer koſtbaren und feſtlichen Toilette! Ihre Wangen waren von einer durchſichtigen Bläſſe; die ſtolze Gräfin hatte es verſchmäht, der damaligen Mode gemäß, Schminke aufzulegen, und unter erborgter Röthe ihre Bläſſe verſchwinden zu laſſen. Um ihren kleinen Mund mit den leicht aufgeworfenen, purpurrothen Lippen ſpielte ein Lächeln der Verachtung, aus ihren großen ſchwarzen Augen ſprühete der Zorn in hellen Flammen auf.
Sie ließ es ſich anfangs gefallen, daß der Graf, ganz geblendet von ihrem Anſchauen, noch immer ſtumm ihr gegenüber ſtand. Dann aber wandte ſie ſich mit einer ſtolzen Kopfbewegung ihm zu.
Sie haben alſo wirklich den Muth gehabt, wiederzukommen, Herr Graf Franz Eſterhazy? ſagte ſie. Sie beben nicht zurück vor dem ungeheuren Frevel, den Sie begehen wollen?
Wenn ein Mann des Glückes theilhaftig werden ſoll, das ſchönſte, bezauberndſte liebreizendſte Weſen ſein eigen zu nennen, und wenn er dann in ſehnſuchtsvollem Verlangen ſeine Arme dieſem Glück. entgegen ſtreckt, nennen Sie das einen Frevel? fragte der Graf.
Sie zuckte leicht die Achſeln. Phraſen, ſagte ſie verächtlich. Ich nenne das einen Frevel, wenn ein Mann die Umſtände benutzt, und eine Frau annimmt, welche nicht ihr eigener, freier Wille, ſondern eine
yranniſche Gewalt ihm zuführt. Und ich habe Ihnen geſagt, daß ich


