Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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den Schultern des Grafen niedergleiten laſſen, und ſtand da, das Haupt

tief auf ihre Bruſt geneigt, die Arme ſchlaff an ihrer Geſtalt nieder⸗

hängend, eine ſchöne Statue der Troſtloſigkeit und der ſchmerzlichen Ermattung.

Aber auf einmal richtete ſie ſich wieder ſtolz empor, und das Haupt zurückwerfend, ſagte ſie mit einem verächtlichen Lächeln: Er wird ſich diesmal getäuſcht haben, und das Prognoſticon, das er mir geſtellt, wird nicht eintreffen!

Aber mein geliebtes Kind, ſagte der Graf, ich

Was beliebt? fragte ſie mit ſchneidender Kälte. Wollen Sie mir etwa auch prophezeihen, daß ich ſehr glücklich ſein werde mit dieſem guten jungen Mann! Wollen Sie mir etwa auch beweiſen, daß ich ein beneidenswerthes Geſchöpf bin? Wollen Sie

Aber mein Kind, rief ihr Oheim bittend, Du ereiferſt Dich in der That ohne Grund. Ich wollte von dem Allen nichts ſagen!

Nein, Sie wollten mir nur einfach Ihren Glückwunſch darbringen zu der morgenden Feier, rief ſie hohnlachend. Aber ſagen Sie doch, Herr Oheim, ſind denn alle Vorbereitungen getroffen? Haben Sie ein glänzendes Feſt arrangirt, haben Sie die Räume dieſes ſtillen, ver⸗ drießlichen, alten Hauſes benachrichtigt, daß morgen ein glückſtrahlendes junges Liebespaar in dieſelben einziehen wird, und daß ſie daher ſich ſchmücken müſſen mit Blumen und Guirlanden, um uns würdig zu empfangen? Haben Sie geſorgt für ein glänzendes Brautkleid und einen ſchönen Schleier, der mein bräutliches Erröthen zu verbergen verſteht, haben Sie mir auch einen ſchönen Brautſchmuck gekauft, recht ſchöne goldene Ketten, damit ich ſie immer recht metallhell klingen höre die Ketten, welche die Frau Kaiſerin in ihrer Güte und Barmherzigkeit mir auferlegt? Und endlich, und vor allen Dingen, haben Sie auch

für einen recht vollen, ſchönen Myrtenkranz geſorgt, der meine bräut⸗ liche Stirn zieren ſoll, auf daß Oh, ich bin das unglückſeligſte, be⸗ klagenswertheſte Geſchöpf, unterbrach ſie ſich plötzlich mit einem lauten Aufſchrei, und ihre beiden Hände vor ihr Antlitz ſchlagend, weinte und ſchluchzte ſie laut.

Der Graf hielt es nicht für angemeſſen, es abzuwarten, bis die⸗ ſer Paroxysmus ihres Kummers vorübergegangen, er wagte auch nicht

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