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ſagen, daß ſie morgen Alles in der Kammerkapelle herrichten laſſen würde, daß ſie Dir ſelber die Ehre erzeigen wolle, Deine Brautmutter zu ſein und Dich Deinem Gemahl zu übergeben, daß aber, wenn Du Dich weigerteſt, der kaiſerliche Staatswagen, den ſie ſenden würde, um Dich abzuholen, Dich ſogleich ſtatt in die Burg, in das Kloſter Unſerer lieben Frauen fahren würde. g— Du ſiehſt alſo, all mein Flehen war vergeblich, die Kaiſerin giebt nicht nach.
Und das war Alles, was Du thateſt, Oheim? fragte die Gräfin, ihre durchdringenden Blicke auf das Antlitz des Grafen geheftet.
Ich verſuchte noch Etwas, ſagte der Graf leiſe und mit niederge⸗ ſchlagenen Augen. Ich ging zum Kaiſer und bat ihn um ſein Fürwort und ſeine Vermittelung.
Und was antwortete er Dir, Oheim? fragte die Gräfin raſch, indem ſie ihre Hände feſter auf die Schultern des Grafen legte, als wollte ſie ſich auf ihn ſtützen, um nicht umzuſinken. Ich beſchwöre Dich, ſammle Deine Gedanken, Oheim, und wiederhole mir jedes Wort, das er geſprochen! Was erwiederte Dir der Kaiſer, als Du ihn bateſt, für mich bei der Kaiſerin ein Fürwort einzulegen?
Ich will Dir genau ſeine Worte wiederholen. Der Kaiſer ſagte: „liebſter Graf, ich bedaure, Ihnen nicht dienen zu können, denn was die Heirathsangelegenheiten anbetrifft, ſo duldet darin die Kaiſerin durchaus keine Mitregentſchaft, ſondern hält ſehr feſt an ihrer Souve⸗ rainetät! Ueberdieß finde ich, daß die Comteſſe ſich gar nicht zu bekla⸗ gen hat, denn die Kaiſerin hat für ſie wirklich eine ſehr gute und paſ⸗
ſende Wahl getroffen. Der Graf Franz Eſterhazy iſt jung, hübſch, außerordentlich reich, ein Günſtling der Kaiſerin und von einer großen Sanftmuth und Herzensgüte. Sie ſollen ſehen, liebſter Graf, er wird da ein Wunder zu Stande bringen, er wird aus Ihrer Nichte eine ſanfte, gehorſame und liebevolle Frau machen, und ſie wird damit auf⸗ hören, den Grafen leidenſchaftlich zu lieben, denn der Haß eines jungen Mädchens gegen den ihr beſtimmten Gemahl iſt oft weiter nichts als cachirte Liebe.“ Das waren genau die Worte des Kaiſers, mein Kind. Ich drang nicht weiter in ihn, denn ich ſah ein, daß es vergeblich
geweſen wäre. Leonore antwortete nicht. Sie hatte langſam ihre Hände von
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