Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 3. Band (1857)
Entstehung
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matt ihr Haupt an ihres Oheims Schulter. Dann auf einmal ſchien ſie wie aus einem Traum zu erwachen, ein Zittern durchflog ihre ganze Geſtalt, ſich heftig aufrichtend legte ſie ihre beiden Hände auf die Schul⸗ tern des Grafen und ſah ihm feſt in's Geſicht.

Oheim, ſagte ſie haſtig, iſt es unabänderlich? Muß ich Rein Herz beugen, und meinen Willen brechen laſſen? Muß ich, wie eine Selavin, einem fremden Willen gehorchen?

Der alte Graf ſeufzte tief auf. Ich fürchte, mein armes Kind, daß Du es mußt, ſagte er. Ich habe gethan, was in meinen Kräften ſtand, aber es iſt Alles vergeblich geweſen.

Was haſt Du gethan? fragte ſie haſtig.

Ich habe mich zuerſt noch einmal mit dem Grafen Eſterhazy be⸗ ſprochen, aber der behauptet, von Deiner Schönheit und Deinem ab⸗ ſonderlichen Weſen bezaubert zu ſein, und nicht blos dem Befehl der Kaiſerin, ſondern den glühenden Wünſchen ſeines Herzens zu folgen, indem er um Dich wirbt. Ich verſuchte alſo mein Heil am Hofe ſel ber. Allein ich fand Niemand geneigt, mir beizuſtehen, denn die Kai ſerin iſt noch immer ſehr verſtimmt und mißmuthig über die unglück⸗ liche Aufhebung der Jeſuiten, und Niemand wollte es unternehmen, der Kaiſerin in ihrer Lieblingsangelegenheit, in der Heirathsmacherei, ent⸗ gegen zu treten. So unternahm ich denn, was Keiner wagen wollte, ich ging zur Kaiſerin ſelber, und beſchwor ſie, Dich frei zu geben, und Dich zu erlöſen von der traurigen Alternative zwiſchen dem Kloſter und der Heirath. Allein ich fand die Kaiſerin ganz unbeugſam. Sie heirathet den guten Grafen, oder ſie geht in's Kloſter! Das war Alles, was ſie mir auf mein eindringliches Flehen erwiederte. Ich ſagte ihr,

Deine Vermählung würde mein Tod ſein, denn ich würde die rennung von Dir nicht ertragen können, darauf antwortete ſie mir: der Eſter⸗ hazy iſt ein gar gefälliger, lieber Menſch. Er wird gewiß einwilligen, wenn Er ihn bittet, mit ſeiner jungen Frau bei Ihm in Seinem Hötel zu wohnen. Ich wagte zu ſagen, der Charakter des Grafen paſſe nicht zu dem Deinen, worauf ſie erwiederte: gerade darum gebe ich ſie ihm, damit er ſie ſanft mache und ihren ſtörriſchen Sinn breche. Ihr ungebändigt Herz ſoll einen Herrn annehmen, entweder Gott oder einen Gemahl! Und als ſie mich entließ, befahl ſie mir Dir zu