hatte er ſich tief vor ihr verneigt, und ſchweigend ſein Pferd umwen⸗ dend, war er von dannen geritten. Nun hatte auch die Gräfin den Heimweg eingeſchlagen, und ganz langſam, im Schritt reitend, war ſie in das Hötel zurückgekehrt.——
Ein Glück war es für den alten Grafen, daß die Diener, welche die Gräfin begleitet hatten, ſo verſtändige und klu ute wa⸗ ren, und ſo gut ihre Berichte abſtatteten. Denn von ſeiner ſelbſt hätte Graf Starhemberg nichts erfahren; mit keinem Work hatte ſie dieſer dreimaligen Begegnung mit dem Kaiſer erwähnt, ja, ſie ſprach überhaupt kein Wort, und nicht einmal hatte ihr Oheim, ſeit jenem unglückſeligen Tage, wo der Heirathsantrag des Grafen Eſterhazy und das Billet der Kaiſerin gekommen, Gelegenheit gefunden, ſich mit ſeiner Nichte zu beſprechen. Die Wahrheit zu ſagen, hatte er dieſe Gelegenheit auch gar nicht geſucht, denn die blitzenden, wilden Augen der Comteſſe, und ihre bleichen Wangen flößten ihm Schrecken ein, und er war es ganz zufrieden, daß ſeine Nichte, wie ſie es wünſchte, ſelbſt ihr Diner nicht mit ihm theilte, ſondern ſich auf ihrem Zimmer ſerviren ließ.
„Aber die Speiſen, welche man für ſie auftrug, kamen immer un⸗ berührt wieder aus ihrem Zimmer. Die Comteſſe ſchien gar keiner Nahxung mehr zu bedürfen, und auch keines Schlafs, denn die ganzen Nächte hindurch war ſie wach. Stundenlang hörte der alte Graf, welcher die Zimmer unter den ihren bewohnte, ſie da oben auf und niedergehen, bald langſam, dann wieder ſo raſch und wild, als wieder⸗ hole ſie da oben mit ſich ſelber das Wettrennen, das ſie im Augarten mit dem Kaiſer gehabt. Dann wieder muſicirte ſie ſtundenlang, und obwohl ihr Oheim wußte, daß ſie eine außerordentliche chiseren eine hochgebildete Sängerin ſei, hatte er doch nicht geahnt, welch eine große Künſtlerin ſie ſei. Es lag eine wunderbare, magiſche Gewalt in der Muſik, welche ſie ſo in der Stille der Nacht, unter dem Schweigen der Welt, ihrem Inſtrument entlockte, und allnächtlich übte ſie auf den alten Grafen dieſelbe Macht aus. Wie von dieſer Muſik gelockt und gerufen, verließ er ſeine Gemächer, ſchlich er, mit dem brennenden Licht in der Hand, die breite Treppe hinauf, und trat leiſe auf den Zehen in das Vorzimmer ſeiner Nichte. Dann ſetzte er ſich nieder auf den Lehnſeſſel, der da dicht neben der Thür ſtand, hinter welcher ſeine
1


