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Ernſt und ſchweigend ſchritten ſodann die beiden Herren durch den Vorſaal und über die Treppe hinab zu dem großen Portal, vor welchem ihre Staatscaroſſen hielten.
Fürſt Kaunitz nickte dem Nuntius einen letzten ſtummen Abſchieds⸗ gruß zu, und angſtvoll erbebend vor der rauhen Luft eines Septem⸗ bertages,*) gegen den er ſich indeß durch ſechs Mäntel und einen Muff geſchützt hatte, eilte er in ſeine dicht geſchloſſene Kutſche. Aber als die Thür hinter ihm geſchloſſen war, und der Wagen mit ihm dahin— rollte, ließ der Fürſt den Muff, den er ſich angſtvoll vor den Mund gehalten, herabgleiten, und,— etwas Unerhörtes und Seltenes!— ein Lächeln umſpielte ſeine ſchmalen Lippen.
Wie's nun auch kommen möge, ſagte er bedächtig, ich werde Mi⸗ niſter, das heißt, Oeſterreichs unumſchränkter Beherrſcher bleiben. Ob nun Maria Thereſia oder Joſeph Kaiſer von Oeſterreich ſich nennen wird, ich werde ſein Herrſcher bleiben. Beiden bin ich unentbehrlich, Beide haben ſie erkannt, welchen Schatz ſie an mir beſitzen, und haben mich ihrer ewigen Dankbarkeit verſichert. Polen iſt gefallen, die Je⸗ ſuiten ſind geſtürzt, aber Kaunitz wird immerdar aufrecht ſtehen, eine Säule, an welche Oeſterreich und ſein Kaiſerhaus ſich anlehnen!—
Am andern Tage fuhr ein Schrei der Ueberraſchung und des Entſetzens durch ganz Wien, denn wie die Windsbraut ſauſete die Nachricht durch alle Straßen, und durch alle Häuſer:„der Jeſuiten⸗ Orden iſt aufgehoben! Cardinal Migazzi iſt ſo eben ins Jeſuiten⸗ Collegium gefahren, um den frommen Vätern das Breve des Papſtes vorzuleſen, und ſie aufzufordern, binnen vier Wochen ihre Häuſer zu räumen und ihre Ordenskleider abzulegen!“
Und ſo geſchah es! Vier Wochen nach dem Tage, an welchem der Cardinal im Jeſuiten⸗Collegium das Breve vorgeleſen, öffneten ſich die Pforten des Gebäudes und ein ſeltſamer, feierlicher Anblick bot ſich der Menge dar, welche Kopf an Kopf gedrängt, die ganze Straße erfüllte.
Angeführt von ihren Obern gingen die Jeſuiten in ihren langen ſchwarzen Ordenskleidern, den ſchmal und lang aufgeſchlagenen Hut
*) Das Aufhebungsbreve langte am 10. September 1793 in Wien an.


