Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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Billet hier, und begebe Er Sich damit zum Cardinal Migazzi. Se.

Eminenz möge alsdann das Weitere verfügen, und die Begräbnißfeier für den armen, verblichenen Orden veranlaſſen!

Sie wandte ihr Haupt haſtig ab, um Niemand die Thränen ſehen zu laſſen, welche auf einmal ihren Augen entſtürzten, und durchſchritt das Gemach, um ſich hinauszubegeben. Tief ergriffen und ſchweigend ſchauten der Kaiſer und die beiden Miniſter der hohen Geſtalt der Kai ſerin nach, welche gebeugt und kummerbelaſtet der Thür zuſchwankte. Aber an dieſer Thür wandte ſich die Kaiſerin noch einmal um, und ließ die Herren ihr zuckendes Antlitz, und ihre von Thränen überflu theten, bleichen Wangen ſehen.

Wenn der Cardinal in's Jeſuiten⸗Collegium fährt, ihnen das Aufhebungsbreve vorzuleſen, ſagte Maria Thereſia laut und gebiete riſch, ſo ſoll ihm ein kaiſerlicher Commiſſarius beigegeben werden. Die⸗ ſer Commiſſarius hat ſogleich nach der Kundmachung den Jeſuiten meinen Schutz und meine Gnade zu verſprechen, wenn ſie als getreue Diener der Kirche und des Staats ſich aufführen werden. Auch ſoll ihnen in meinem Namen geſagt werden, daß ich befehle, es ſolle mit allem Glimpf, Gelindigkeit und gutem Anſtand gegen ſie verfahren werden, und daß ich's auch künftig nimmer dulden werde, daß man den geweſenen Jeſuiten mit Unanſtändigkeit und Hohn begegne.*) Sie nickte noch einmal leicht mit dem Kopf und ging hinaus.

Schweigend ſchauten die Herren ihr nach. Keiner wagte die Größe und Bedeutſamkeit dieſes Moments durch irgend ein Wort zu entwei⸗ hen. Ohne ein Wort zu ſagen, machte daher der Nuntius dem Kai⸗ ſer ſeine ceremonielle Abſchiedsverbeugung, als aber dann auch Kaunitz ſich verneigen wollte, ſchritt der Kaiſer raſch auf ihn zu, und ſchloß ihn feſt und innig in ſeine Arme.

Ich danke Ihnen, flüſterte er leiſe. Sie haben alle Ihre Ver⸗ ſprechungen erfüllt, Sie haben Oeſterreich groß und frei gemacht. Ich werde Ihnen das nie vergeſſen, und bleibe Ihr Schuldner ſo lang ich lebe!

*) Der Kaiſerin eigene Worte. Siehe: Adam Wolf: Maria Thereſia ꝛc. S. 432.