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Beweis, daß der Orden nicht viel hält von der Geheimhaltung der Beichte, und daß es wenig auf ſich hat mit der Treue und der Ver⸗ ſchwiegenheit der kaiſerlichen Beichtväter. Wollen Ew. Majeſtät die Gnade haben, dies Papier anzuſchauen? 3
Er reichte mit einem leiſen Neigen ſeines ſtolzen Hauptes der Kaiſerin das Papier dar, welches ſie haſtig nahm und auseinander ſchlug. Aber wie ſie alsdann die Augen darauf heftete, zuckte ſie zu⸗ ſammen, und ihre Wangen erbleichten. Was iſt das? murmelte ſie entſetzt, indem ſie halblaut las:„Beichte der Kaiſerin Maria Thereſia, gehalten am 20. Mai 1772 und von mir unmittelbar nachher niederge⸗ ſchrieben.“— Aber dies iſt eine Verleumdung, eine Intrigue, mit welcher man mich zu überraſchen trachtet! Oh, Durchlaucht, es iſt das eine ziemlich plumpe Lüge, welche Seinem Scharfſinn wenig Ehre macht!
Ich lüge niemals, ſagte der Fürſt ernſt. Ew. Majeſtät haben ja überdies nur nöthig das Blatt umzuſchlagen, und zu leſen, was da ge⸗
ſchrieben ſteht. Ew. Majeſtät allein können ja wiſſen, ob Ihre damals
gehaltene Beichte wirklich dem entſpricht, was dieſes Blatt enthält.
Die Kaiſerin warf einen ſchnellen forſchenden Blick auf den Fürſten, dann ſchlug ſie das Blatt um und heftete ihre Augen auf das Papier.
Eine tiefe, durch keinen Laut, keinen Seufzer unterbrochene Stille herrſchte jetzt in dem Gemach. Drüben in der Fenſterniſche ſtand der Kaiſer mit ineinandergeſchlagenen Armen, neben ihm der Nuntius, die Hände über der Bruſt gefalten. Beide ſchauten mit ernſten geſpannten Blicken hinüber zu der Kaiſerin, welche immerfort las, und auf deren Antlitz der Fürſt ſeine kalten, ſtieren Augen gerichtet hielt.
Jetzt ließ Maria Thereſia die Hand, welche noch immer das Pa⸗
pier hielt, ſinken, und ſtarrte düſter und in ſich gekehrt zur Erde nieder.
Es iſt keine Verleumdung, murmelte ſie leiſe in ſich hinein. Oh ich entſinne mich ſehr wohl jenes Tages, an welchem ich Porhammer, um meinem geängſteten Herzen Erleichterung zu ſchaffen, jene Beichte hielt. Der Fürſt hatte mir eben die Nothwendigkeit auseinandergeſetzt, daß Oeſterreich ſeinen Antheil fordere an der Theilung Polens, und ich hatte
endlich, obwohl widerſtrebend, nachgegeben. Da ließ ich Porhammer


