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Jetzt red' Er, ſagte ſie dann, ſich an den Fürſten wendend, der gelaſſen ein zuſammengefaltetes Papier aus ſeinem Buſen hervorgezogen hatte, und es langſam und ſpielend aus einer ſeiner Hände in die an⸗ dere ſchob.
Ew. Majeſtät bemerkten vorher, ſagte Kaunitz leiſe, die Jeſuiten ſeien ſeit einem Jahrhundert die treuen und verſchwiegenen Beichtväter der kaiſerlichen Familie geweſen, und Ihre Geheimniſſe ſeien in ihrer Bruſt ſo feſt und ſicher bewahrt geweſen, als habe ſie nur das Ohr Gottes vernommen. Sind Ew. Majeſtät feſt überzeugt, das dem ſo iſt?
Ich bin davon feſt überzeugt, ſagte die Kaiſerin laut und ener⸗ giſch. Ich habe meinem Beichtvater alle meine Geheimniſſe anvertraut, und er hat mich niemals verrathen, ja ich bin überzeugt, daß er ſelbſt nicht mit Gott von Dem geſprochen, was ich ihm in der heiligen Beichte anvertraut.
Und iſt denn das am Ende ein ſo großes Verdienſt? fragte Kau⸗ nitz gelaſſen. Gilt es nicht in der katholiſchen Kirche für ein heiliges, unverbrüchliches Geſetz, daß der Prieſter die Geheimniſſe des Beicht⸗ ſtuhls bewahren muß, und ſie nur dann verrathen und mittheilen darf, wenn ein ausdrücklicher Dispens des Papſtes ihn dazu ermächtigt?
Es iſt ſo, ſagte die Kaiſerin, und Er ſieht alſo, daß ſich die from⸗ men Väter Jeſu den Geſetzen der Kirche gehorſam unterwerfen, denn das Beichtgeheimniß iſt ihnen, wie allen andern Prieſtern heilig.
Verzeihen mir Majeſtät noch eine Frage. Wird nicht auch der Prieſter, welcher die Beichtgeheimniſſe verräth, ohne vom Papſt dazu er⸗ mächtigt zu ſein, von der Kirche als ein Verbrecher bezeichnet, wird er nicht als ein Uebelthäter ausgeſtoßen, auf immer von ſeinem Amt enthoben und muß in ſtrenger Kloſterhaft büßen für ſeinen Verrath?
Ja, Er hat Recht, Herr Fürſt! Wer das Beichtgeheimniß verräth, den nennt das Geſetz des Papſtes einen Verbrecher, die heilige Kirche ſtößt ihn aus, und niemals wieder darf er die Funktionen der Prieſter verrichten.
Dann, Majeſtät, war der Papſt wohl befugt, den Orden der Je⸗ ſuiten zu beſtrafen, ſagte Kaunitz, dann werden Ew. Majeſtät die weiſe Anordnung des Papſtes billigen müſſen. Denn dieſes Papier führt den


