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denn da der Beichtvater der Erzherzoginnen, der Franz Lener es gewagt hat, gegen die Prinzeſſinnen in ungebührlichen Ausdrücken wider den Cardinal zu eifern, hab' ich ihn ſeiner Stelle entſetzt, und für immer aus Oeſterreich verbannt. Hab' alſo nit bewieſen, daß ich Partei nehm' für die Väter Jeſu, ſondern bin ſtreng und gerecht verfahren allzeit. Mehr aber ſollt Ihr nit verlangen, und mehr werd' ich nimmer thun! Will Allen gerecht werden, alſo auch den Jeſuiten, will ſie ferner ſchützen in meinen Landen, denn die Jeſuiten ſind die Vormauer aller Autoritäten, und ſo lange ſie aufrecht ſtehen, wird das freche Weſen der Anarchie und des Ungehorſams nimmer die Grenzen Oeſterreichs überſchreiten können.*)
3 So lange die Jeſuiten aufrecht ſtehen, rief Joſeph, wird die Wiſ⸗ ſenſchaft, die Moral, und die Religion in ihrem innerſten Weſen ge⸗ fährdet ſein! Weshalb nimmt der Adel jetzt überall ſeine Söhne aus den Jeſuitenkolle fort? Weil man allgemein bemerkt hat, daß die Zöglinge der Jeſuiten vor Allen durch ausgelaſſene Lebensart, durch Atheiſterei und die unſichere Moral des Probabilismus ausgezeichnet waren!**) Weshalb ſind bei uns die Wiſſenſchaften verfallen und nicht in dem Zuſtande, der ihnen gebührt! Ich antworte darauf nicht mit meinen Worten, ſondern mit denen, welche der Cardinal Migazzi in dem Memoire gebraucht, das er an Ew. Majeſtät gerichtet hat.„Der Jeſuitenorden hatte, wie alles Irdiſche, das allgemeine und klägliche Schickſal, welches will, daß ſich Alles ſeinem Untergang nähere, und die Väter ſcheinen durchaus von der guten Straße abzuweichen, auf welcher ſie einſt ſo ruhmwürdig dahingeſchritten waren.“— Oh, die Jeſuiten ſchreien über die Bosheit und den Haß ihrer Feinde, aber die zwei größten Feinde, welche ſie haben, ſind ihre eigene Unwiſſenheit, und die zunehmende Geiſtescultur des Volkes!
Aber ſie haben durch Jahrhunderte Gutes und Großes geſchafft, rief die Kaiſerin, ſie haben durch Jahrhunderte die Wiſſenſchaften und Künſte gepflegt und behütet, die Bildung gefördert und den Völkern ferner Welttheile das Chriſtenthum gebracht. Wenn Ihr jetzt, Ihr
*) Der Kaiſerin eigene Worte. Siehe Groß⸗Hoffinger I. S. 185. **) Groß⸗Hoffinger I. S. 184.


