Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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den Beichtvater im Verdacht der Redlichkeit, es beſchuldigte ihn, mehr Anhänglichkeit an den Kaiſer als an den Vatican zu beweiſen, und veranlaßte deshalb, daß dieſer redliche Mann nach Rom citirt ward. Er aber ſah ſein ganzes, grauſames Schickſal voraus, wenn er dort hin müßte, und bat alſo den Kaiſer, dies zu verhindern. Umſonſt war Alles, was der Monarch that, um dieſem Schritt vorzubeugen. Selbſt der Nuntius verlangte im Namen ſeines Hofes die Entfernung des Beichtvaters. Da aber erklärte der Kaiſer, aufgebracht über dieſen Despotismus Roms, daß, wenn dieſer Prieſter unumgänglich nach Rom müßte, er nicht ohne zahlreiche Geſellſchaft dahin reiſen ſollte, und daß ihn alle Jeſuiten in öſterreichiſchen Landen dahin begleiten müßten, von denen er keinen jemals in ſeinen Landen wiederſehen wolle. Dieſe auch in den damaligen Zeiten unerwartete und außerordentlich ent⸗ ſchloſſene Antwort des Kaiſers ließ die Jeſuiten von ihrem Vorhaben zurückſtehen, und der redliche Beichtvater des Kaiſers blieb in Wien.*)

Nun, wir wollen verſuchen, zu dieſer ſchönen Geſchichte heute einen Pendant zu liefern, ſagte Kaunitz mit dem Anflug eines Lüächelns. Laſſen Sie uns an's Werk gehen, Majeſtät. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, Alles iſt von mir angeordnet, vorbereitet und über⸗ legt, Alles genau auf die Stunde berechnet. Leihen Sie mir alſo Ihren Beiſtand, Sire, und laſſen Sie uns die Scene beginnen.

Sagen Sie mir nur, was ich zu thun habe, und ich bin bereit einen letzten Verſuch zu wagen, rief Joſeph.

Fürſt Kaunitz blätterte einen Moment in dem Portefeuille, welches er mitgebracht hatte, und nahm dann einen Vrief aus demſſelben her⸗ vor, den er dem Kaiſer darreichte.

Wollen Ew. Majeſtät nicht die Gnade haben, dieſen Brief an Ihro Majeſtät zu übergeben? Es iſt ein Schreiben des Königs Carl III. an die Kaiſerin, und wie ich aus dem Begleitſchreiben des Marquis Aranda erſehe, beſchwört darin der König ſeine erlauchte Verwandte auf die eindringlichſte Weiſe, den Jeſuiten, welche der König ſo ener⸗ giſch aus Spanien vertrieben, nicht in Oeſterreich noch länger eine Zuflucht zu laſſen.

*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe Briefe ꝛc. S. 13.

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