Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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wutheten, ſteigerte dieſes Entſetzen ſo ſehr, daß es die Herzen gegen das Mitleid verhärtete.— Das eiſerne Thor, welches ſonſt vom Auf gange bis zum Niedergange der Sonne geöffnet war, das eiſerne Thor ward jetzt geſchloſſen, Niemand durfte daſſelbe ohne Erlaubniß der Soldaten, welche vor demſelben auf und niedergingen, mehr überſchrei⸗ ten, und dieſe Erlaubniß ward nur Denen ertheilt, welche außer demn Geldſtück auch noch ein heiteres Angeſicht hatten, und denen der Arzt, welcher eigens zu dieſem Zweck in einem Hauſe neben dem eiſernen Gitterthor ſtationirt war, das Zeugniß gegeben, daß ihr Körper geſund ſei, und noch keinen Anſteckungsſtoff an ſich trage.

Und zu dieſem Allen kam noch ein neues Unglück. Der letzte Arzt, welcher in der Judenſtadt wohnte, war ſo eben geſtorben.

Das war der letzte, der fürchterlichſte Schlag, welcher die armen, von ſo vielfachem Leid heimgeſuchten Juden treffen konnte! Nun waren ſie ganz verlaſſen und hülflos. Wie in einem großen Gefängniſſe ab⸗ geſchloſſen von der übrigen Welt, von den freien Menſchen, und in dieſem Gefängniß nicht einmal mehr einen Arzt, der ihre Krankheiten heilen, und ihren Schmerzen Linderung verſchaffen konnte!

Verlaſſen von aller Hülfe, waren die unglücklichen Juden gebanut in ihre grauſige Einſamkeit, und Niemand erbarmte ſich ihrer, Nie mand war da, welcher ihren Nothſchrei und ihren Hülferuf vernehmen wollte!

Doch, Einer war ihnen geblieben! Einer war da, von dem ſie wußten, daß er ihrer nimmer vergeſſen werde, daß ſein Ohr endlich ihren Klagen ſich öffnen, und daß er ihnen Erlöſung ſenden werde aus dieſer großen Noth!

Die Angen, welche vergeblich hülfeflehend auf der Erde umher geſchaut, ſie wandten ſich jetzt zum Himmiel, die Hände, welche vergeb⸗ lich ſich bettelnd um ein Stückchen Brot ausgeſtreckt, ſie hoben ſich jetzt nach Oben, ſie falteten ſich zum Gebet!

Gott! Gott! das war jetzt der Hül ffeſchrei der Juden, denen die Menſchen keine Hülfe mehr bieten wollten!

Gott mußte ſich ihrer erbarmen, Gott mußte ihr Elend ſchauen, dem weiten Himmel, welcher der Mantel Gottes iſt, der Sonne, welche das Auge Gottes, der Luft, welche ſein Athem iſt, der ganzen Natur

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