Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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ſo wollte man ihn auch nicht ſehen. Der Verzweiflungsſchrei der Juden ſollte daher in ihren eigenen Gaſſen verklingen, ihr Hülferuf ſollte in⸗ nerhalb dieſer Gaſſen und dieſer Häuſer allein gehört werden.

Nicht einmal in dieſen Zeiten der Noth waren die chriſtlichen Be hörden in das Judenviertel gekommen, um das Elend mit eigenen Augen zu ſehen, und um deſſen Abhülfe ſich zu bemühen; nur die Diener der Obrigkeit waren mit grauſamer Pünktlichkeit am erſten jeden Monats erſchienen, um von den Juden die Kopfſteuer einzufordern, und ſie die harten Abgaben zahlen zu laſſen, mit denen das gedrückte und zertre tene Volk ſich das Recht erkaufen mußte, in einem düſtern, ſchmutzigen Winkel der ſchönen, prachtvollen, chriſtlichen Stadt überhaupt leben zu dürfen. Dieſe Abgaben wurden mit unerbittlicher Strenge eingefordert, und nur an dieſen Zahlungen ward das Judenvolk inne, daß es auch für ſie eine Obrigkeit gäbe, daß es auch für ſie Geſetze und Behörden gäbe, und daß ſie von denſelben nicht vergeſſen worden.

Immer größer, immer entſetzlicher war daher die Noth in der Indenſtadt geworden, die Reichen hatteu längſt ſchon ihr Hab und Gut, ihre Reichthümer und Schätze zuſammengerafft, und waren ausgewan dert, die Wohlhabenden, welche geblieben, waren verarmt, und die Ar men, welche von der Arbeit jedes Tages, vom Handel und Wandel ſonſt ſich genährt, waren jetzt in den Zeiten der Arbeitsloſigkeit zu ver zweifelnden Bettlern geworden, die vergebens vor den Thüren ihrer Gemeindegenoſſen wimmerten um ein Stückchen Brod. Selbſt der ſtets ſo rege und lebendige Wohlthätigkeitsſinn der Juden war endlich von dem übergroßen Leid erſtickt worden, ſelbſt ſie hörten den Hülferuf der Sterbenden, das Klagegeſchrei der Hungernden, ohne zu ihrer Rettung herbei zu eilen. Jeder dachte nur noch an ſich ſelber, an ſeine eigene Qual, und ſparte ſorgſam auf für die Zukunft, was er in der Gegen wart erübrigen konnte.

Wieder war ein neuer Monat begonnen, wieder hatten die Diener der Obrigkeit mit grauſamer Strenge die Kopfſtener eingefordert, die ſich dies Mal freilich um Vieles verringert hatte, denn der Hungertyphus wüthete jetzt in den düſtern ſchweigenden Häuſern, und der Tod war mitleidsvoller geweſen, als die wachthaltenden Soldaten an dem eiſernen Thorz der Tod hatte den armen, hungernden, mittelloſen Juden einen

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