Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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10 von erkalteter Kraftbrühe ein. Ein wunderbares Leuchten, war in dem Antlitz des Kaiſers, während er ſo, ein echter Prieſter der chriſtlichen Liebe und Barmherzigkeit, durch die Reihen der Unglücklichen dahin⸗ ſchritt, um den Verſchmachtenden Labſal zu bringen. Er ſprach kein Wort, aber die Gedanken des Erbarmens und der Liebe ſtrahlten von ſeiner Stirn, von der Stirn des Urenkels Rudolph's von Habsburg, der einſt, um einem armen Prieſter beizuſtehen, daß er raſcher zu einem Sterbenden das Viaticum bringe, von ſeinem Pferde abſtieg und es dem Diener der Liebe gab. Joſeph aber war ſelber der Prieſter der Liebe, er ſelber trug das Viaticum des Erbarmens zu den Sterbenden und übte die heiligen Pflichten ſeiner Religion in echt chriſtlichem Sinne.

Und während er voll liebender Geſchäftigkeit von einer Gruppe zur andern eilte, ſtanden da in der Mitte der Landſtraße die beiden Grafen mit den Lakayen, und tranchirten ernſt und ſchweigend die ge⸗ bratenen Hühner, das Sonper des Kaiſers für die verſchmachteten Ge⸗ birgsbauern. Eine tiefe Stille herrſchte rings umher, ein ſanfter Friede wohnte in der ganzen Natur, und auf die ſchauerlichen Gruppen der Ruhenden warf die Abendſonne ihre kangen röthlichen Strahlen hin.

Aber allmälig begannen dieſe Scenen ſich zu beleben, ſah man hier und da ein Haupt ſich erheben, eine Geſtalt ſich emporrichten, all⸗ mälig kehrte Geiſt und Bewußtſein in dieſe ſtarrenden, gebrochenen Augen zurück.

Der Kaiſer ſah es, und ein Lächeln des Glückes durchleuchtete ſeine

Züge. Er hatte eben ſein Werk des Erbarmens vollendet, das Glas war geleert, aber jeder der Armen hatte einen Löffel voll ſeines ſtär⸗ kenden Inhalts bekommen.

Jetzt gebt Jedem von ihnen einen Biſſen Fleiſch, ſagte der Kaiſer, zu der Gruppe inmitten der Landſtraße tretend. Nicht mehr als nur einen Biſſen, denn nach ſo langem Faſten würde mehr ihnen ſchädlich ſein. Wir werden dieſe armen Leute retten, denn jetzt werden ſie Kräfte haben zu warten, bis uns aus Prag Hülſe kommt.

Aber dann werden Ew. Majeſtät mindeſtens die Gnade haben,

auch etwas zu genießen, ſagte Graf Roſenberg eifrig. Es wird ſich

dann von den Speiſen, welche dieſe Leute bekommen ſollen, wohl auch ein wenig erübrigen laſſen.

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