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Ja, wir müſſen ſterben! heulte und wimmerte der ganze Chor, aber dieſe augenblickliche Aufregung, dieſes letzte Aufflammen ihres Geiſtes hatte auch ihre letzte Körperkraft erſchöpft; ſelbſt zur Verzweif⸗ lung, zum Händeringen und Jammern fehlte ihnen die Kraft, in dumpfem Hinbrüten ſanken ſie zuſammen.
Eine lange, fürchterliche Stille trat jetzt ein, hier und dort nur aus einer der Gruppen hörte man ſchmerzliches Stöhnen und Aechzen, ſah man ein paar gerungene Hände ſich hoch emporheben, einen Arm, die geballte Fauſt, gleichſam dem Himmel drohend, ſich aufſchleudern, um dann wieder matt und kraftlos an dem bleichen Körper niederzuſinken.
Auf einmal unterbrach dieſe Stille das ferne Rollen eines Wa⸗ gens. Es kam näher und näher, ſchon ſah man auf der Landſtraße eine lichte von der Sonne durchleuchtete Staubwolke ſich aufwirbeln, ſchon ſah man die Köpfe der Pferde aus dieſer Wolke hervortreten.
Aber dieſe armen, vom Hunger niedergemäheten Jammergeſtalten näherten ſich nicht, ſie blickten nur mit ſtieren Augen auf die Landſtraße dahin, und hier und da murmelte eine zitternde Lippe wie im Traum: Da kommt ein Wagen! Aber es iſt zu ſpät! Wir müſſen ſterben!
Immer näher und näher hatte ſich die Staubwolke herangewälzt, jetzt umhüllte ſie wie ein flatternder Schleier alle dieſe troſtloſen Grup⸗ pen der armen Leute, welche da hülflos und ſtumm zu beiden Seiten des Wegs in den Gräben lagen. Als dieſer Schleier aber dann ſich hob, ſah man zwei Wagen, gefolgt von einigen Reitern, welche eben auf der Straße anhielten.
In dem erſten dieſer Wagen ſaßen drei Herren, alle ganz gleich gekleidet in dunkle, unſcheinbare Civilkleider, und doch war es nicht ſchwer in dem jüngſten von ihnen, in dieſem jungen Manne mit dem
ſchönen, leicht beweglichen Angeſicht, mit den großen flanmenden blauen
Augen, den Herrn und Gebieter der beiden Andern zu erkennen. Er war es, der mit lauter Stimme dem Poſtillon befahl anzuhalten, und als die beiden Begleiter jetzt ſich beeilen wollten, ihm zuvorzukommen, und den Wagen zu verlaſſen, um ihm beim Ausſteigen behülflich zu ſein, wehrte er ſie mit einer haſtigen Handbewegung zur Seite und ſchwang ſich leicht aus dem Wagen. Ohne ſich nur umzuſchauen nach ſeinen Begleitern, die ſich heeiferten


