Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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Die Welt iſt erſtorben und leer geworden, wiederholte die alte Frau mit ſo lautem, ſchreienden Schmerzenstoue, daß er weithin er⸗ klang, und das Ohr ſelbſt des Letzten dieſer vom Elend darnieder Ge⸗ mäheten erreichte, und wie ein tragiſcher Chor tönte es auf einmal von Aller Lippen: Die Welt iſt erſtorben und leer geworden!

Aber auch der Himmel iſt leer geworden, ſchrie ein alter Mann her⸗ über von der andern Seite der Straße, wo er im Graben mit ſeiner ver⸗ ſchmachtenden Familie lagerte. Ja, auch der Himmel iſt leer geworden, ſage ich, denn gäbe es einen Gott da droben, ſo müßte er unſers Jammers ſich erbarmen. Aber es giebt keinen Gott mehr im Himmel!

Es giebt keiclen Gott mhr im Himmel! ſchrie, heulte und wim⸗ merte der Chor der verzweife lnden, hungernden Menge. 3

Still, ſtill, Ihr. Freunde, verſündigt Euch nicht! rief die alte Großmutter, und indem ſie mit ihrer letzten Kraft ſich aus ihrer ru⸗ henden Stellung aufrichtete, breitete ſie ihre Arme wie beſchwichtigend aus über das Meer dieſes Jammers, welches ſie umfluthete, als wolle ſie ihm gebieten ſtille zu ſtehen und rückwärts zu fluthen.

Still, Vater Martin, ſtill, ſagte ſie laut und mächtig. Es giebt einen Gott, aber er ſchaut eben nicht auf uns, und ſeine Hand hat ſich von uns gewendet. Laßt uns beten, beten, daß er ſein Antlitz wieder auf uns richte, und ſehe, was wir leiden! Laßt uns beten, daß er uns Hülfe ſende in unſerer Noth! Hört auf meine Stimme, Ihr Alle, laßt uns beten, dann wird Gott uns Hülfe ſenden!

Sie warf ſich wieder auf ihre Kniee, und hingeriſſen von ihrer Begeiſterung und Zuverſicht, folgten Alle ihrem Beiſpiele. Die Greiſe und Kinder, die Männer und Frauen erhoben ſich aus ihrer ruhenden Stellung, um ihr Knie zu beugen, um ihre Hände und ihre thränen⸗ loſen Blicke aufzuheben zum Himmel und zu Gott zu beten um Hülfe und Beiſtand.

Aber das Gebet war längſt verſtummt, die Knieenden waren längſt wieder hingeſunken, und noch immer zeigte ſich keine Hülfe und keine Rettung.

Du ſiehſt es, Mutter Eliſabeth, zürnte der alte Vater Martin,

Dein Gebet hat nichts geholfen, der Himmel iſt leer! Wir müſſen 1 ſüerben. 1

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