Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 2. Band (1857)
Entstehung
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derholten, welches aus den Dörfern erklungen war, wo Tauſende ſchrieen und jammerten nach Brot!

Und doch war dieſe Landſtraße nach Prag jetzt die einzige Hoff⸗ nung dieſer armen Leute, welche da an beiden Seiten des Weges in dem Graben lagen und nur noch auf irgend einen Zufall hofften, der ihnen augenblickliche Linderung bringen möchte. Es warer ihrer gegen hundert Menſchen, ein ganzes Dorf war es, das ſich da gelagert hatte. Gruppenweiſe, wie ſie vordem in ihren Hütten gewohnt, lagen ſie bei⸗ einander, der hohe Himmel da droben war jetzt ihres Zimmers Decke, der kahle Erdboden war jetzt ihre Lagerſtätte, die ganze weite Welt war jetzt ihr Haus. Sie waren herniedergeſtiegen aus dem Erzgebirge, um bei den Bewohnern der Thäler ſich Hülfe zu ſuchen, aber ſie hatten da denſelben Jammer wiedergefunden, der ſie fortgetrieben aus ihrem Gebirgsdorf, und mit Hohn und Zorn waren ſie fortgewieſen aus den Dörfern, wo Jeder genug zu thun hatte mit ſeinem eigenen Jammer, und in ſeinem verdorrten Herzen kein Mitleid mehr auftreiben konnte mit Anderer Leid.

Sie hatten den ganzen Tag da gelegen, und kein einziger Wagen war gekommen, keine einzige hülfreiche Hand hatte ſich ihnen entgegen geſtreckt. Die heiße Sonne des Mittags hatte auf ihren Scheitel ge⸗ brannt, aber ſie hatten es nicht gemerkt, denn glühender noch brannte der Hunger in ihren Eingeweiden; jetzt begann die Sonne ſich zu nei⸗ gen, und der Abendwind fächelte mit kühlendem Hauch ihre Häupter, aber ſie fühlten keine Linderung, denn die Schmerzen in ihrem Innern waren immer glühender geworden.

Die Welt iſt erſtorben und leer geworden, klagte eine alte Frau, die Großmutter eines ganzen Geſchlechts, das wimmernd und heulend um ſie her lagerte. Da war ihr Sohn und ſeine Gattin, einſt ein ſo ſtattliches Paar, jetzt ausgemergelt zu blaſſen Jammergeſtalten, da waren ihre ſechs kleinen Enkelkinder, einſt ſo liebliche rothwangige Ge⸗ ſchöpfchen, wie die flatternden Engel auf dem Altarbild in der Dorf⸗ kirche, jetzt bleiche Schattengeſtalten, mit hohlen Augen und ſchlottern⸗ den Gliedern. Der Hunger hatte ihnen die Jugend, die Schönheit und die Energie genommen, der Hunger hatte nicht blos ihre Körper⸗ kraft gebrochen, ſondern auch ihre Seele gebeugt.

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