Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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d ſchwender von Ihrem Capital, und wenn dies aufgezehrt iſt, werden Sie am Rande eines Abgrundes ſtehen. Anna, warum erlauben Sie mir nicht, Ihnen die Hand zu reichen, bevor Sie da angekommen ſind, warum geſtatten Sie mir nicht, Ihnen das zu erſetzen, was die rohe Gewalt der ruſſiſchen Kaiſerin Ihnen genommen hat?

Sie irren Sich, Sire, ſagte die Gräfin, ſtolz ihr Haupt ſchüttelnd. Ich kenne keine Sorgen und keine Noth, meine Exiſtenz iſt geſichert, und es braucht deshalb keiner Beunruhigung. Die Kaiſerin von Ruß⸗ land hat meine Güter mit Beſchlag belegt, aber ich hatte in kluger Vorausſicht viele Kapitalien im Ausland deponirt, und die ſichern mir die Exiſtenz. Und dann, habe ich nicht meinen Schmuck? Oh, Ew. Majeſtät können wohl überzeugt ſein, daß ich, wie viele andere Sorgen auch mein Herz beſtürmen mögen, doch keine Nahrungsſorgen kenne. Würde ich ſonſt nicht gezwungen ſein, meine Brillanten und Perlen zu verkaufen? Nun denn, Sie ſollen morgen ſehen, daß ich genug Exiſtenz⸗ mittel hahe, denn ich werde morgen meinen ganzen Schmuck anlegen, den koſtbaren Familienſchmuck meines Hauſes, und Sie werden ſehen, daß er noch unverſehrt iſt.

Lügnerin! ſagte der Kaiſer traurig.

Weshalb nennen Sie mich ſo?

Weil Sie die Unwahrheit ſagen!

Die Unwahrheit, Sire?

Ja, Gräfin, aber ich will Ihnen die Wahrheit ſagen! Hören Sie nur!

Er neigte ſich dichter an ihr Ohr. Ihre Brillanten ſind falſch, flüſterte er, ſtatt der echten Perlen haben Sie unechte einſetzen laſſen, und nicht ein einziger Stein Ihres Diamantendiadems iſt mehr echt.

Die Gräfin ſtieß einen Schrei aus, und ſenkte beſchämt und troſt⸗ los ihr Haupt auf ihre Bruſt. Der Kaiſer legte ſanft ſeinen Arm um ihren Nacken.

Jetzt, Anna, ſagte er mit tiefem, leidenſchaftlichem Tone, jetzt, da Sie ſehen, daß ich Alles weiß, jetzt, da ich Ihr Geheimniß kenne, jetzt gönnen Sie mir das Glück, Ihnen helfen zu können. Beſchämen und demüthigen Sie mich nicht ſo ſehr, daß Sie mich nun noch von Sich

weiſen, daß Sie in Ihrem Stolze mich zu gering achten, Ihnen hel⸗ 4