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lich hielte, daß eine reine keuſche Freundſchaft allein uns verbindet, daß ich hierher komme, um mich zu erquicken an Ihrem Anſchauen, mich aufzuheitern im Geſpräche mit Ihnen, mich zu erheben, indem ich Ihrem himmliſchen Geſang zuhöre! Meinen Sie, daß Einer es begreifen würde, wie Sie mir in himmliſcher Güte geſtatten, vor Ihnen mein bischen erborgte Majeſtät und meinen durchlöcherten Purpurmantel abzulegen, um hier nur ein Mann ohne alle Oſtentation und ohne alle Macht zu ſein, ein Mann, der Ihnen nichts weiter iſt, als ein langweiliger Freund, den Sie aufzuheitern ſtreben, und dem Sie nicht einmal das Glück dafür gönnen, Ihnen in irgend einer Weiſe dankbar ſein zu dürfen! Mein Gott, Gräfin Anna, wodurch auch habe ich dieſe edle, großmüthige und uneigennützige Freundſchaft verdient, die immer nur giebt und nichts empfangen will?
Wodurch habe ich die Ihre verdient? fragte ſie mit einem köſt⸗ lichen Lächeln. Und dann? Wer ſagt denn, daß ich uneigennützig bin? Ein Tag mag kommen, wo ich Ihnen zeigen werde, wie tief und über⸗ ſchwänglich ich auf Ihren Beiſtand gerechnet habe, wie ſehr ich auf Ihre Hülfe zähle!
Aber nicht wahr, Sie haben mir nicht um dieſen Tag, welcher einſt kommen kann, Ihre Freundſchaft zugewendet? fragte der Kaiſer, und ſeine Augen hefteten ſich mit einem tiefen, forſchenden Blick auf ihr ſchönes bleiches Angeſicht.
Die Gräſin ſchlug vor dieſem Blick die Augen nieder, und der Schim⸗ mer eines Erröthens flog über ihre durchſichtigen Wangen hin.
Sie mißtrauen mir? fragte ſie mit leiſer, zitternder Stimme.
Geben Sie mir Beweiſe, daß Sie mir vertrauen, ſagte Joſeph, indem er ſich aus ſeiner ruhenden Stellung aufrichtete und die Hände der Gräfin ergriff. Geſtatten Sie mir, Ihnen endlich etwas ſein, etwas gewähren zu können! Sie nennen mich Ihren Freund, nun wohl, ge⸗ währen Sie mir das Vorrecht der Freundſchaft, Ihnen beiſtehen zu können, Ihnen zu nützen in den ganz elenden und erbärmlichen Sorgen der Exiſtenz. Ich will Ihnen einmal beweiſen, wie ſehr ich Ihnen vertraue, indem ich ganz offen und rückhaltslos mit Ihnen ſpreche! Anna, Sie ſind in Sorgen um Ihre Eriſtenz, Sie bedürfen der Hülfe und wenden Sich nicht an mich! Sie leben wie ein tollkühner Ver⸗


