Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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drückte ſie mit einem bezaubernden Lächeln an ihren Buſen. Aber der Kaiſer entzog ſie ihr ſanft..

Still, Gräfin, ſtill, ſagte er, ſprechen wir nicht mehr von Politik! Gerade um ſie zu vergeſſen, flüchte ich mich zu Ihnen! Mein Gott, laſſen wir doch dieſe verwitterte und verdrüßliche alte Dame in unſerer Hofkanzlei oder im Kabinet der Kaiſerin ihre ſibylliniſchen Weisheitsbücher entfalten, und ihren alten Weiberklatſch für erhabene Klugheit aus⸗ geben. Aber was wollen Sie mit ihr! Wiſſen Sie nicht, daß man ſagt, das Begegnen eines alten Weibes bringe Unglück! Nun alſo, weichen wir ihr, aus, der Dame Politik, denn ich möchte einen Moment des Glückes genießen, des Glückes an Ihrer Seite, Anna!

Die Gräfin ließ ſich mit einem mühſam unterdrückten Seufzer neben dem Kaiſer auf dem Divan nieder, und wandte ihr ſchönes bleiches Geſicht mit einem ſeltſamen Ausdrucke zu ihm hin.

Der Kaiſer nickte ihr lächelnd zu, und ließ ſein Haupt immer noch ermattet in den Kiſſen ruhen. Wie ſüß dieſe Stille iſt, ſagte er nach einer Pauſe. Ach, Anna, Sie wiſſen nicht, wie ſehr ich mich den gan⸗ zen Tag über nach dieſem Momente des Friedens und der Erholung geſehnt habe.

Und doch ſind Sie ſo ſpät gekommen, Graf! flüſterte ſie mit einem Ton leiſen Vorwurfs.

Ich habe einen Umweg gemacht, ſagte der Kaiſer lächelnd, bin in mehrere Fiacres geſtiegen, hierhin und dorthin gefahren, um meine Späher in die Irre zu führen; denn Sie wiſſen es ja, ich bin immer von Spähern umgeben, und ich will nicht, daß dieſe mit ihren läſtern⸗ den Augen mir dieſes Heiligthum hier verdüſtern ſollen! Sie würden das nicht verſtehen, was ſie erſpäheten, und diejenigen, denen ſie ihren Bericht abſtatten müſſen, würden's auch nicht verſtehen! Die Menſchen ſind ſo geartet, daß ſie immer das Schlimme argwöhnen, und diejenigen, welche ſich ſelber für tugendhaft und unſchuldig erklären, argwöhnen bei Andern immer am ſchnellſten das Laſter und die Schuld! Deshalb möchte ich mich immer mit einem unſichtbar machenden Mantel umge⸗

ben, wenn ich zu Ihnen gehe! Oder meinen Sie, daß auch nur Einer

an dem keuſchen und tugendhaften Hofe meiner Mutter es glauben

würde, was er hier ſehen könnte! Meinen Sie, daß man es für mög⸗