Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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und ſchaute ihr tief und lange in das ſchöne, ſanft geröthete Angeſicht. Sie hielt ſeinen Blick aus und lächelte.

Ich bin da, ſagte er endlich leiſe, nun ſagen Sie, iſt es jetzt Tag in Ihrem Herzen?

Tag, heller, ſchöner Sonnentag! rief ſie freudig. Alle verdorrten Blüthen meines Herzens heben langſam ihre müden Köpfe wieder empor, und öffnen ſich wieder dem Leben und dem Licht. Oh mein Herr und mein Kaiſer, es muß göttlich ſchön ſein, ſo erhaben dazuſtehen auf der höchſten Höhe des Lebens, und unberührt von ihren Schmerzen hernie⸗ derzuſchauen auf das Getriebe der Welt, ſich bewußt zu ſein, daß ein Wink des Auges, ein Wort, ein Lächeln genügt, um Thränen zu trock⸗ nen, Unglück zu lindern und Schmerzen vergeſſen zu machen. Welch ein großes beneidenswerthes Vorrecht der Fürſten, den Völkern, welche weinen, gleichſam vom Himmel hernieder das Glück zu geben!

Was iſt Glück! fragte Joſeph, leiſe das Haupt wiegend. Die Menſchen jagen Alle dem Glücke nach, Jeder ſucht es in ſeiner Weiſe, und noch Niemand hat es gefunden! Was iſt Glück?

Glück iſt, Großes wollen und vollbringen zu können, rief Anna begeiſtert, Glück iſt, auf der Höhe des Daſeins zu ſtehen, und den Millionen Menſchen, welche ihr Heil ſuchen, ohne es finden zu können, daſſelbe aus freier Wahl und Entſchließung zu geben; Glück iſt, ſo geſtellt zu ſein, daß man den Völkern, welche leiden, Beiſtand gewäh⸗ ren, den Völkern, welche unterdrückt werden, die Freiheit bringen kann!

Mit einem Wort, ſagte der Kaiſer mit einem feinen Lächeln, Glück iſt, Polen befreien und eine Armee gegen die tyranniſche Kai⸗ ſerin von Rußland marſchiren zu laſſen!

Ja, das iſt Glück! jubelte die Gräfin, denn dieſe That würde Dem, der ſie gethan, den Segen eines jammernden, verzweifelnden und doch heldenkühnen Volkes gewinnen; dieſe That würde ihn zu einem Meſſias der gekreuzigten Freiheit erheben, und durch alle Zeiten hin⸗ durch würde der Menſchheit ſein Bild entgegen ſtrahlen, umleuchtet von der Glorie der Volksfreiheit. Oh mein Kaiſer, welch ein glück⸗ ſeliges Geſchöpf wäre ich, wenn ich Ihr Bild ſo in der heiligſten Glorie mir leuchten ſähe! 1

Und mit einer unnachahmlichen Grazie nahm ſie ſeine Hand und

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