Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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149 Du. 4.. dos ſeine großen blauen Augen richteten ſich mit einem warmen, innigen jree Liebesblick auf die edle und ſchöne Erſcheinung vor ihm, die kalt, un⸗ gen beweglich und bleich wie ein Marmorbild ſich ihm darſtellte. 4 Gräfin Anna! ſagte er dann leiſe, indem er näher ſchritt. en! Sie ſtieß einen Schrei aus, und eine dunkle Purpurgluth über⸗ G goß auf einmal ihre Wangen. 4 Der Kaiſer! rief ſie, haſtig aufſpringend und ſich zu ihm umwendend. 3 Ehren Sie mein Incognito immer noch nicht? fragte er, ihr ſeine ſit beiden Hände darreichend. Bin ich für Sie immer noch der Kaiſer, ein und wollen Sie mich nicht annehmen als den Grafen Falkenſtein? edi Iſt nicht der Kaiſer derjenige, den der Prieſter auf der Kanzel, bei wenn er für das Wohl der Menſchheit betet, gleich zuerſt nennt? fragte len, die Gräfin mit einem bezaubernden Lächeln. Denken Sie alſo, mein der Herz ſei ein Prieſter, gönnen Sie es ihm, immer zuerſt den Kaiſer . zu nennen, wenn es mit Gott ſpricht! nlt. Oh, beim Himmel, wenn die Prieſter Ihnen glichen, rief der auf Kaiſer lachend, dann würde ich nicht in Feindſchaft mit ihnen leben, ſondern würde ſehr bereit ſein, ſie zu lieben. Kommen Sie, mein cen holder, ſchöner Prieſter, ich vergebe es Ihnen, daß Sie mich den Kai⸗ fen, ſer nannten, wenn Sie mich nur jetzt als Graf Falkenſtein willkom⸗ en. men heißen wollen. lind Willkommen, Herr Graf! ſagte mit einem vollen freudigen Tone. Gott ſei gelobt, der Kaiſer iſt auf eine Stunde quittirt, ſagte Joſeph aufathmend. Er hat ſich in ſeine Gemächer zurückgezogen, und das ruht dort aus von der Langweile, den Sorgen und Zwiſtigkeiten ſei⸗ iſt nes Tages! Ach, Gräfin, wie traurig und umnebelt das Leben doch 1 iſt, wie wenig Momente, wo die Sonne ſcheint! Er ließ ſich, wie erſchöpft, auf den Divan niedergleiten, und lehnte 1 ſein Haupt müde in die Kiſſen zurück. das Gräfin Anna neigte ſich über ihn, und mit einem ſüßen Lächeln zu in ihm niederſchauend, flüſterte ſie: was weiß denn die Sonne ſelber ver⸗ von ihrem Leuchten und ihrem Glanze? Sie empfängt nicht, ſondern mu⸗ 5 ſie giebt nur Licht und Wärme. So geht's Ihnen, Graf! Wohin n. Sie gehen, bringen Sie den Tag und das Licht, und doch klagen Sie. und Er ließ ſein Haupt ruhen, aber er hob ſeine Augen zu ihr empor, 1 8 1 8