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Du gehſt alſo nach Italien nicht mit einem dritten Gemahl, Du gehſt allein?
Nein, ma chore, ich gehe dahin mit meinem Geliebten! Ach, Anna, er iſt ſchön, bezaubernd ſogar, er malt zum Entzücken, ſo ſchön, daß die Kaiſerin Katharina ihn ſogar zu ihrem Hofmaler ernannt hat! Ich liebe ihn grenzenlos! Ah, Du ſchüttelſt Dein ſtolzes Haupt? Was willſt Du, meine Liebe, le coeur toujours vierge pour un second amour!
Wenn Du ihn grenzenlos liebſt, warum heiratheſt Du ihn nicht?
Ich ſage Dir ja, er iſt ein Künſtler, und nicht von Adel! Man liebt ſo Etwas, aber man heirathet es nicht! Ah bah, wie würden meine beiden Männer lachen, wenn ich meinen Fürſtentitel aufgäbe, um die ehrbare Gattin eines Künſtlers zu werden. Die Fürſtin Lubomirska eine Madame Wand, kurzweg Wand! Das iſt eine Idee zum Todtlachen, chère Comtesse. Nein, nein, ich gehe mit ihm nach Italien!
So gehe, ſagte Gräfin Wielopolska rauh, indem ſie aufſtand und ihre großen flammenden Augen mit dem Ausdruck tiefſter Verachtung auf die Fürſtin heftete. Gehe, Du entartete Tochter Deines entarteten Vaterlandes, gehe nach Italien, trage unſere Schande und unſer Un⸗ glück weithin in die Fremde, lache und juble, während Polen ſich ver⸗ blutet, genieße Dein leichtfertiges Glück, während Dein Vaterland zu Grabe getraben wird. Aber nimm auf Deinen Weg die Verachtung Deines Vaterlandes mit, die ich Dir verkünde, ich eine Polin!
Sie wandte ſich um, und verließ hochaufgerichtet und ſtolz das Gemach. Die Fürſtin Lubomirska blickte ihr voll Crſtaunen nach; dann auf einmal brach ſie in ein lautes, fröhliches Lachen aus.
Welch eine pathetiſche Närrin! ſagte ſie aufſtehend. Man ſieht es wohl, daß kein reines Blut in ihren Adern fließt! Ihre Mutter war eine Sängerin, eine Theaterprinzeſſin, und der Tochter die Künſtlerin erglüht in moraliſchem Zorn, weil eine Fürſtin Lubomirska ſich nicht herablaſſen will, einen Künſtler zu heirathen. Quelle bétise!
Und laut auflachend rauſchte die Gräfin von dannen!


