Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Kaiser Joseph und Marie Antoinette : 1. Band (1857)
Entstehung
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Locken nieder, die das ſchöne Oval deſſelben wie mit einem dunklen Rahmen einfaßten. Ein Diadem von Brillanten erhob ſich über ihrer

hohen Stiru, und von dieſer hernieder floß ein langer ſchwarzer Spitzen⸗ b ſchleier, der wie eine dunkle Wolke dieſe ganze ſo ernſte und zugleich ſo ſchöne Erſcheinung umflatterte. Ein Zug unausſprechlicher Trauer, lächelnder Wehmuth war über ihr ganzes Antlitz ergoſſen, und ihre großen Augen waren mit einem tiefen Ernſt auf den Kaiſer geheftet.

Joſeph neigte ſich tiefer, wie er es bisher gethan, um dieſe ſo ſchöne und ernſte Frau zu begrüßen, ſie aber erwiderte kaum ſeinen Gruß, und ihr Antlitz blieb ſchweigend und traurig wie zuvor.

Das Bouguet iſt nicht von ihr, ſagte der Kaiſer leiſe in ſich hin ein, aber wie er noch einmal das Auge erhob, fiel ſein Blick auf den Strauß, den die Dame am Buſen trug. Es war ein Strauß ganz ähnlich dem, welchen der Kaiſer in der Hand hielt. Dieſelben weißen und dunkelrothen Blüthen, daſſelbe weiße und dunkelrothe Band, das die Blumen zuſammenhielt und in langen Enden niederflatterte.

Der Kaiſer lächelte, und den Strauß in ſeiner Hand hoch empor hebend, winkte er der Dame einen letzten Gruß zu und ritt weiter.

Aber ſein Antlitz hatte jetzt einen ernſten, ſinnenden Ausdruck ange nommen, und nur zerſtreut und langſam erwiderte er die Grüße des jauchzenden Volkes, und die Damen an den Fenſtern bemühten ſich vergebhlich mit ihren wohenden Taſchentüchern und ihren Blumenbouquets

die Aufmerkſamkeit des jungen Kaiſers auf ſich hinzulenken. Er ge

dachte immer noch der ſeltſamen, ſchönen Frauenerſcheinung, und fragte

ſich ſelber, wo er dieſelbe ſchon geſehen habe, und weshalb ſie ihm ſo

bekannt vorkomme. 1

Und endlich war das Ende dieſes langen Triumphzuges erreicht,

endlich war der Kaiſer bis zum Schloſſe gelangt, und ſich raſch vom

Pferde ſchwingend, trat er, gefolgt von dem Feldmarſchall Lacy und

dem Grafen Roſenberg, in das Schloß ein.

Das zu vielen Tauſenden auf dem großen Platz verſammelte Volk rief dem Kaiſer ein letztes Vivat nach, und heftete dann ſeine Augen auf das gläuzende Gefolge des Kaiſers, auf die Generäle, Stabsofficiere und Soldaten, die jetzt in buntem Gemiſch und unter klingendem Spiel die Straße heraufzogen, und ſich dann in feierlicher Haltung auf dem