Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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Die Kaiſerin ſchaute ihm mit ſtaunenden, beſorgten Blicken nach. Was mag ihn nur ſo auf einmal betroffen haben? fragte ſie ſich ſel⸗ ber. Er ſah ſo entſetzt und angſtvoll aus, als habe er plötzlich ein furchtbares Geſicht geſehen! Nun, es wird wieder ein Mal eine ſeiner Launen geweſen ſein, weiter nichts!

Und die Kaiſerin warf mit einem halb verächtlichen Lächeln das Haupt zurück; da traf ihr Blick ganz von Ungefähr den Spiegel, in deſſen Nähe ſie ſtand, und in dem Spiegel ihr eigenes Bild.

Maria Thereſia ſchreckte zuſammen und ſtarrte ſich an. Dann auf einmal brach ſie in ein lautes Lachen aus. Ach, rief ſie heiter, ich wundere mich, daß der Fürſt auf einmal ſo entſetzt ausgeſehen, als habe er ein furchtbares Geſicht geſchaut! Mich ſelber hat er ge⸗ ſchaut, und ich bin die Meduſe geweſen, die ihn verſteinert hat. War ihm zuletzt ſo nahe getreten, daß er mich erkennen konnte. Armer Mann, hatte mich bis dahin in ſeiner Kurzſichtigkeit immer noch mit dem Geſicht gedacht, wie ich einſt geweſen. Armer, kurzſichtiger Mann! Meine Larve hat ihn erſchreckt, und er iſt davon gelaufen, wie vor einem Geſpenſt. Nun, wollen verſuchen ihn von dem Schrecken zu heilen! Bin ihm viel Dank ſchuldig. Muß dem armen, erſchrockenen Mann wohl ein Zeichen meiner Gnade geben! Will ihm einen recht ſchönen Orden geben, das wird ihn freuen, denn er iſt eitel!

Während die Kaiſerin zu ihrem Schreibtiſch trat, um dem Orden, den ſie dem Fürſten ſchicken wollte, einen Geleitsbrief zu ſchreiben, war Fürſt Kaunitz, ſich angſtvoll mit ſeinem Taſchentuch den Mund verhüllend, um keine Luft einzuathmen, zu ſeinem Wagen geeilt, mit einem ſtummen wohlbekannten Wink der Hand den Diener bedeutend, daß er ſo raſch als möglich nach Hauſe fahren wolle.

Nicht mit der gewohnten gravitätiſchen Ruhe, ſondern haſtig, wie vor einem Schreckniß flüchtend, eilte er die Stiegen ſeines Pallaſtes hinauf, und durch die lange Reihe der Gemächer, die heute zu einem Feſte zur Wiedergeneſung der Kaiſerin, das der Fürſt dem Adel Wiens gab, geöffnet waren. Ohne die junge Gräfin Clary, welche ihm ſchon in ſtrahlender Toilette entgegentrat, nur eines Blickes zu würdigen, rannte der Fürſt in ſein Arbeits⸗Kabinet; dort vor ſeinem Schreibtiſch auf dem Lehnſtuhl niederſinkend, bedeckte er mit ſeinen Händen ſein Geſicht, und