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haften Frau Maria Thereſia abgerungen, immer gehabt haben, und, wenn es daher die Politik erfordert, werden Ew. Majeſtät auch für die Kaiſerin von Rußland thun, was Sie für Farinelli und die Pom⸗ padour gethan. Die erſten beiden Briefe haben uns Königskronen für die Prinzeſſinnen erworben, der letzte Brief kann uns vielleicht eine Provinz erobern! Eine Provinz! rief die Kaiſerin, und indem ſie ganz dicht zu Kau⸗ nitz herantrat, legte ſie in der ungeſtümen Erregung ihres ganzen We⸗ uſſens ihre Hand auf ſeine Schulter. Sage Er mir, Kaunitz, rief ſie glühend, was ſind das für ſchlimme und furchtbare Pläne, die Er da
in ſeinem klugen Kopf ausgebrütet hat!
Es ſind Pläne, ſagte der Fürſt, die ich ſeit manchem Jahr—
Auf einmal verſtummte er, und blickte ſtarr und mit einem Aus⸗ druck tiefen Schreckens in das Antlitz der Kaiſerin, deſſen furchtbare Veränderung ihm ſeine überaus große Kurzſichtigkeit bis jetzt verborgen hatte, und die er nun, da ihm die Kaiſerin ſo nahe getreten, erſt gewahrte.
Nun? fragte die Kaiſerin, welche die Urſache von dem Erſchrecken des Fürſten nicht ahnte, nun, warum verſtummt Er auf einmal? Er hat doch wohl nicht den Muth, mir Seine Pläne mitzutheilen, und Er ſieht ein, daß ſie gefährlich und nicht ganz ehrlich ſind? Nun, mein Gott, ſo rede Er doch!
Aber der Fürſt fühlte ſich keines Wortes mächtig, der Schreck war zu plötzlich, zu unerwartet gekommen, auf eine zu grauenvolle Weiſe hatte der Anblick dieſes verzerrten, von der grauſamen Hand des Todes zerkratzten Antlitzes die kalte, gewohnte Ruhe des Fürſten erſchüttert; er fühlte, daß er ſeine Faſſung verloren habe, daß in die⸗ ſem Moment der Menſch in ihm mächtiger ſei als der Staatsmann.
Verzeihen Ew. Majeſtät, ſagte er, indem er ſchwankend und todes⸗ bleich zurückwich, aber ich fühle mich außer Stande weiter zu ſprechen. Ein plötzlicher Schwindel hat mich ergriffen, es verwirrt ſich Alles vor meinen Blicken. Ich muß Ew. Majeſtät um Erlaubniß bitten, mich entfernen zu dürfen!
Er wartete die Erlaubuſß der Kaiſerin gar nicht ab, mit einer ſtummen, eiligen Verbeugung wandte er ſich ab, und eilte mit unge⸗ wohnter Haſt der Thür zu.


