Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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Nicht wir werden es thun, aber die Kaiſerin von Rußland!

Das iſt unmöglich, das wird, das kann ſie nicht wagen! rief die Kaiſerin.

Wagen! ſagte Kaunitz achſelzuckend. Vieles wird nicht gewagt, weil es ſchwer iſt, weit mehr iſt nur darum ſchwer, weil es nicht ge⸗ wagt wird.*) Die Kaiſerin von Rußland wird ſehr Vieles wagen, weil ſie es verſteht, die Sachen leicht zu nehmen, und an ihre Ausführ barkeit glaubt. Die Despoten haben überhaupt immer mehr ausge⸗ richtet und erlangt, als die gewiſſenhaften Herrſcher, und die Kaiſerin Katharina iſt eine große Despotin. Wir werden ſehr bald ernſtlich daran denken müſſen, uns um ihre Freundſchaft zu bewerben, um zur rechten Stunde mit ihr in gutem Einvernehmen zu ſein.

Ich, die Maria Thereſia, ich ſollte ſo weit herabſteigen, um die Freundſchaft dieſer Kaiſerin zu ſuchen, welche unter dem Todesgeächze ihres Gemahls ſeinen Thron beſtieg, geführt von ihren Buhlern, deren Hände noch vom Blut des gemordeten Kaiſers trieften. Bedenk' Er, Herr Fürſt, bedenk Er, was Er da von mir fordert, und was ich Ihm nun und nimmermehr bewilligen kann!

Ew. Majeſtät denken groß und kühn genug, um dem Wohle des Vaterlandes Ihre perſönlichen Antipathien opfern zu können, ſagte Kaunitz mit ſeiner gewohnten Gelaſſenheit. Ew. Majeſtät haben eines Tages an Farinelli geſchrieben, und dieſer Brief hat uns die Freund⸗ ſchaft des Königs von Spanien und ſeiner Kinder von Parma und Neapel eingetragen, dieſer Brief iſt die mittelbare Veranlaſſung, daß wir jetzt eine Erzherzogin von Oeſterreich zur Königin von Neapel machen werden!

Machen wollten, Herr Fürſt, unterbrach ihn Maria Thereſia ſeufzend. Die Braut des Königs, meine liebe Tochter Johanna, iſt geſtorben.

Aber die Erzherzogin Joſepha lebt, und ich wollte Ew. Majeſtät eben vorſchlagen, die Erzherzogin Joſepha dem König von Neapel, der um ſie werben läßt, zu vermählen.

*) Des Fürſten Kaunitz eigene Worte. Siehe: Hormayr Plutarch. Zwölftes Bändchen. S. 271.