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wegung nach dieſem Schleſien machen ſieht. Nein, Majeſtät, wir werden Schleſien nicht wieder bekommen, aber, ich wiederhole es, wir werden uns Erſatz dafür verſchaffen. Um das zu können, müſſen wir erſt im Beſitz unſerer vollen Kraft und Stärke ſein.
Er will mir doch keinen Eroberungskrieg anzetteln? rief Maria Thereſia erſchrocken.
Nein, Majeſtät, aber wenn wir irgendwo ſehen ſollten, daß ſich zwei Adler um ein unſchuldig Lamm ſtreiten, und daß das arme Thier nicht mehr zu retten iſt, ſo mein' ich, werden wir uns erinnern, daß dem öſterreichiſchen Doppeladler auch ein Antheil an der Beute gehört, und daß er den beanſpruchen muß. Ich ſehe große und ſchlimme Dinge ſich vorbereiten, und in einem Jahrzehent wird die ganze Welt ſich an— ders geſtaltet haben. Die Kaiſerin Katharina von Rußland iſt eine kühne und unternehmungsluſtige Frau, ſie wird nicht blos Männerherzen, ſondern auch Länder erobern wollen. Der König von Preußen weiß das ſo gut wie wir, und er ſucht ſchon jetzt die Freundſchaft Rußlands, damit er dereinſt an ſeinen Eroberungen nicht gefährdet wird.
Da ſei Gott vor, daß ich es dem König von Preußen nachthun ſollte, rief die Kaiſerin. Mag und werd' nimmer die Freundſchaft dieſer Frau ſuchen, deren Thron mit Blut befleckt i*ſt, und die mit ſtol— zem Hohn Alles verſpottet, was Tugend, Ehrbarkeit und Sitte fordert.
Ew. Majeſtät werden gewiß auch niemals mit der Frau, ſondern immer nur mit der Kaiſerin, mit der Beherrſcherin eines großen Nachbarſtaates zu verkehren haben!
Rußland iſt nicht der Nachbarſtaat Oeſterreichs, rief Maria The⸗ reſia heftig. Hab' einmal an die Kaiſerin Eliſabeth geſchrieben:„werd’ immer Eure gute Freundin ſein, aber mit meinem Wiſſen und Willen niemals Eure Nachbarin.“*) Ich denk noch heute ſo, daß ich nimmer möcht' Rußland meinen Nachbar nennen. Noch liegt Polen zwiſchen Oeſterreich und Rußland!
Ja, noch liegt Polen dazwiſchen, ſagte Kaunitz mit einem feinen Lächeln, aber wer weiß, wie lange noch!
Mann, rief die Kaiſerin erſchrocken, Er will doch nicht damit an⸗ deuten, daß wir jemals es wagen könnten, uns an Polen zu vergreifen?
*) Hiſtoriſch.


