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Oeſterreich Sie nicht entbehren kann, und weil Ew. Majeſtät ein großes und ſtarkes Herz haben, welches den Tod ſelbſt zu überwinden verſteht!
Die Kaiſerin erröthete vor Vergnügen; es war ſo ſelten, daß Fürſt Kaunitz ſich zu einer Schmeichelei herabließ, daß ſie dadurch dop⸗ pelt an Werthugewann, und faſt zur Wahrheit ward.
Er meint alfb immer noch, daß ich meinem Oeſterreich nöthig bin? fragte ſie.
Ich meine es immer noch, Majeſtät.
Aber wenn's nun Gott nicht vermeint hätte, wenn er mich zu ſich gerufen hätte, ſag; Er mir doch, was würde Er alsdann ge⸗ than haben?
Ich würde weiter gearbeitet haben im Dienſt meines Vaterlandes und meiner Pflicht, ſagte Kaunitz, aber ich würde mit Gott gegrollt haben mein ganzes Leben lang, ich würde ihm vorgeworfen haben, daß er es nicht ehrlich meine mit Oeſterreich, daß er keine vernünftige Politik treibe, ſondern auch die Extreme und Neuerungen liebe!
Er iſt ein arger Spötter, Herr Fürſt, rief die Kaiſerin lächelnd. Denk wohl, der Herrgott da droben muß Ihn in beſondere Affection genommen haben, daß er Ihm Seine ſchlimme Reden allzeit vergiebt, und nicht zu Gericht mit Ihm geht. Mein' auch, der Herrgott ſchaut auf den Grund der Herzen und weiß noch beſſer, wie ich, daß es nit ſo ſchlimm mit Ihm iſt, wie Er Sich den Anſchein giebt, und daß Er doch ein redlicher, guter und treuer Menſch iſt, wenn Er's Sich zuweilen auch herausnimmt, mit dem lieben Gott ein wenig unmanirlich und sans fagon umzugehen. Verzeiht Ihm das doch auch Seine Kaiſerin, wie ſollt's Ihm nicht der große, langmüthige Gott verzeihen! Und jetzt ſage Er mir, Kaunitz, wie ſchaut's aus in meinem Reich! Habe ſechs lange Wochen nicht gearbeitet, und keine Documente und Acten⸗ ſtücke geleſen!
Ich, Majeſtät, habe deſto fleißiger gearbeitet, den Tag über für mich, die Nacht für Ew. Majeſtät, und ſo iſt nichts unerledigt und im Rückſtand geblieben, und ſo gehet der Bau ruhig und ungefährdet weiter nach unſerm Plan und Grundriß. Wir werden immer ſtärker im In⸗ nern, das macht uns auch ſtärker nach Außen, und bald werden wir ſein, was wir zu ſein berufen ſind, die gleichberechtigte, gleichmächtige,


