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Mitten in dieſer behaglichen Ruhe ward die Kaiſerin durch den eintretenden Kammerhuſaren geſtört, welcher den Fürſten Kaunitz meldete. Maria Thereſia erhob ſich haſtig von ihrem luftigen Sitz. Der Fürſt kommt! rief ſie. Schließet eilig die Fenſter und Thüren, damit
er keine Zugluft ſpüre!*) 12
Mit faſt ängſtlicher Aufmerkſamkeit ſchaute den Dienerinnen zu, und erſt, als ſie ſich überzeugt, daß alle Fenſter feſt geſchloſſen, und nirgends die Zugluft mehr Eingang finden könne, befahl ſie die Thür zu öffnen, und den Fürſten einzulaſſen.
Fürſt Kaunitz näherte ſich der Kaiſerin mit ſeiner gewohnten gra⸗ vitätiſchen Ruhe und Gelaſſenheit, und indem er ſich tief vor ihr neigte, ſagte er mit ſeiner unveränderten gleichmäßigen Stimme: Ich bringe Ew. Majeſtät und mir ſelber, ich bringe vor allen Dingen Oeſterreich meinen Glückwunſch zu Enrer Majeſtät Geneſung dar! Ich, welcher noch niemals vor einem Feinde gezittert habe, ich zitterte vor dieſem Feind, der das Kaiſerhaus heimſuchte, und der ſchlimmer iſt als alle menſchlichen Feinde Eurer Majeſtät. Gegen dieſe haben wir unſere Schwerter, unſere Staatsklugheit und unſere Liſt, aber gegen jenen giebt es keine Waffen und alle Klugheit iſt da umſonſt.
Aber der Swieten hat mich doch errettet, und ihm danke ich nächſt Gott mein Leben, ſagte die Kaiſerin lebhaft. Weiß wohl, daß Er we⸗ der von Aerzten, noch von Gott viel hält, kann Ihm aber ſagen, daß, wenn man auf dem Krankenbett liegt in Schmerzen und Nöthen, man Beide gar ſehr ſchätzen lernt. Will Ihm aber doch wünſchen, daß Er nimmer auf dieſe Weiſe den Aerzten vertrauen und Gott lieben lernt, denn allzeit bleibt es ein ſchlimm und traurig Ding um das Kranken⸗ bett; in meinen geplagten und ſchlafloſen Nächten hab' ich mich gar oft geſehnt nach Seinem ernſten Angeſicht, und es kam über mich wie eine tiefe Herzenstrauer, wenn ich mir dacht, daß ich wohl nimmer mit Ihm mehr in ernſten Conferenzen das Wohl meines lieben Oeſterreichs überlegen, und Seinen guten Rath empfangen würde.
Ich aber wußte, daß Ew. Majeſtät geneſen würden, ſagte Kaunitz mit ungewohnter Wärme. Ich wußte, daß Sie geneſen mußten, weil
*) Wraxall, Vol. II. p. 380.


