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wagte eine der Damen zu bemerken. Dieſe Zugluft könnte Ew. Ma⸗ jeſtät ſchädlich ſein!
Weiß nicht, was Ihr zimperlichen Dinger Zugluft zu nennen be⸗ liebt, ſagte die Kaiſerin, indem ſie ſich behaglich in den Lehnſtuhl nie⸗ derließ, und mit einem unendlichen Wonnegefühl den Wind ihr feuchtes aufgelöſtes Haar kräuſeln und durchflattern ließ. Der liebe Gott hat den Wind geſandt, daß er die Menſchen kühle und erfriſche, und wenn er mit ſeinem friſchen Hauch ſich an meine Wange lehnt, ſo mein' ich, es iſt Gott ſelber, der mich küßt. Hab' darum all mein Tag der lieben Gottesluft bei mir Thür und Fenſter geöffnet, und nimmer geduldet, daß man dem lieben Gott bei mir die Fenſter ſchließe. Dafür aber hat er mich auch geſund und ſtark gemacht, denn die Luft iſt der Odem Gottes und der macht ſtark! Schaut nur, ſchaut nur, wie der Wind ſich aufbauſcht in meinem Buſentuch, als wollt' er mich mahnen, es von mir zu werfen; nun haſt recht, Du lieber Gotteswind, will's mir bequemer machen, und die ganze Laſt von mir werfen!
Sie warf ihr Tuch ab, und gab ihren Hals und ihre Schultern dem Zugwind preis, deſſen Pfeifen und Brauſen die Kammerfrauen mit Entſetzen, die Kaiſerin mit Vergnügen erfüllte.
Jetzt ſoll man meinem verſchmachtenden Gaumen etwas zur Er⸗ quickung bringen! rief Maria Thereſia. Die Kammerfrauen ſtürzten der Thür zu, jede bemüht, die Erſte zu ſein, den willkommenen Befehl auszuführen, der ſie einen Moment aus dem luftigen Zimmer er⸗ retten konnte.
Dann kamen die Lakaien mit den geforderten Erfriſchungen, und Maria Thereſia, inmitten des von heftigem Zugwind durchweheten Zim⸗ mers ſitzend, glühend noch immer von Hitze und Aufregung, trank in Eis gekühlte Limonade, und aß Erdbeeren dazu.*)
*) Karoline Pichler, Denkwürdigkeiten Th. I. S. 18. 19.— Die Kaiſerin konnte die größte Kälte und Zugluft vertragen, und hatte Winter und Sommer die Fenſter geöffnet. Geheizt durfte bei ihr gar nicht werden, ſie wußte nicht, was Rheumatismus ſei, und ſelbſt im Winter ſtand neben ihrem Schreibtiſch ein Fenſter offen, ſo daß oft die Schneeflocken auf das Papier fielen, an dem ſie ſchrieb. Kaiſer Joſeph ging daher im Winter nie anders als in einen Pelz gehüllt zu ſeiner Mutter.


