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um die Krankheit der Kaiſerin, ganz Wien wollte ſich jetzt ihrer Ge⸗ neſung freuen. Der Kirchgang, den Maria Thereſia in frommer de⸗ müthiger Dankbarkeit gegen Gott unternehmen wollte, ſollte für ſie zu einem glänzenden Triumph werden, den ihr die Liebe und Freude ihrer Unterthanen bereitete. Die Kaiſerin hatte dies vermeiden wollen, und gerade deshalb erſt am Tage zuvor ihre Abſicht, den Dom von St. Stephan zu beſuchen, kund gethan. Aber mit Windesſchnelle hatte dieſe Nachricht ſich durch ganz Wien verbreitet, und alle Behörden, alle Stände, alle Corporationen und Brüderſchaften, alle Schulen und Col⸗ legien hatten ohne Aufforderung und Ruf beſchloſſen, den Kirchgang der Kaiſerin als einen Feſttag zu begehen. Mit flatternden Fahnen und ſinnigen Emblemen zogen die Bürgerſchaften und Gewerke daher, und ſtellten ſich in den Straßen auf, durch welche die Kaiſerin daher kommen mußte, und neben den Bürgern ſtanden in langen Reihen die geputzten, jauchzenden Kinder der Erziehungsanſtalten und Waiſenhäu⸗ ſer, welche die Großmuth der Kaiſerin in's Leben gerufen. Hinter die⸗ ſem beweglichen Spalier ſtand ganz Wien in buntem Gemiſch. Vor⸗ nehm und Gering, Arm und Reich befand ſich da in größter Vertrau⸗ lichkeit nebeneinander, denn der Adel wollte an dieſem Tage beweiſen, daß auch er ſich zu dem Volk der Kaiſerin zähle und miſchte ſich froh und jauchzend unter das frohe Gedränge. Für eine kurze Stunde hatte aller Unterſchied der Stände, der Confeſſionen, der Geſinnungen auf— gehört, Jeder fühlte ſich nur als der Mitgenoſſe des Andern in ſeiner Freude und Luſt. Mit Blumen und Guirlanden geſchmückt waren alle Häuſer, Fahnen flatterten aus den Fenſtern, und auf den Straßen machten die wundervoll in vielfarbigen Seidenzeugen geputzten Narren der Innungen ihre Luftſprünge und Purzelbäume. Auf einmal be⸗ gannen die Glocken zu läuten, und tauſendſtimmiges Echo ſchallte von der Herrengaſſe her. Es ſagte dem freudetrunkenen jauchzenden Volk, welches die ganze Freiung, den Hof, die Bognergaſſe und den Graben anfüllte, daß jetzt die Kaiſerin das Schloß verlaſſen, daß ſie die Her⸗ rengaſſe heraufſchreite. Und jetzt kam ſie daher um die Ecke der Straße; gelehnt auf den Arm des Kaiſers Joſeph, gefolgt von ihren beiden an⸗ dern Söhnen und ſieben Erzherzoginnen, ſchritt ſie mit ſtolzem, feſtem Gang die Straße entlang. Es war ein wundervoller Anblick, dieſe 10*
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