Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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eines Tags vergeſſen, und wenn mich das fremde Geſicht da aus irgend einem Spiegel anſchaut, voll Grauen rufen:ſchafft mir das häßliche, alte Weib da fort! Muß es alſo lernen, daß ich ſelber das Weib bin, und daß es Gott gefallen hat, mir für die ganze Lebenszeit die gräu⸗ liche Maske da vor mein Antlitz zu legen!

Und indem die Kaiſerin ſo ſprach, ſchaute ſie mit prüfenden, ernſten Blicken in den Spiegel hinein. Dann nickte ſie ihrem Spiegelbild lächelnd zu.

Nun Du Alte da drin, jetzt haben wir Bekanntſchaft gemacht, ſagte ſie. Von heut' an müſſen wir verſuchen, gute Freundinnen zu werden, und uns mit einander einzurichten im Leben. Verſprech Dir, daß ich mir Müh' geben will, Dein häßlich Geſicht zu verſchönern, nicht mit Schminken und Toilettenkünſten, ſondern mit edlen und ſchö⸗ nen Thaten. Wenn Du groß und ſchön handelſt, wird es die Welt Dir wohl verzeihen und vergeſſen, daß Du gar ſo häßlich biſt, und wenn ſie von Dir ſagen, daß Du ein garſtig, häßlich altes Weib biſt, ſo ſollen ſie doch geſtehen müſſen, daß Du eine gute, und nun in dieſer Stunde dürfen wir Beid' uns wohl ein wenig loben, eine große Kaiſerin biſt!

Du aber, mein Franzel da oben, fuhr die Kaiſerin fort, indem ſie von dem Spiegel fort zu dem Bilde des Kaiſers trat, Du ſei froh, daß es Dir nit beſchieden iſt, noch der Gemahl Deiner alten entſtellten Maria Thereſia zu ſein. Jetzt bin ich's zufrieden, daß Du nicht mehr an meiner Seite biſt. Denn um Deinetwillen, mein ſchöner großer Kaiſer, um Deinetwillen würd' es mich grämen, daß Dein Weib zu einer ſo häßlichen Fratz' verzaubert iſt, und daß ich, obwohl ſie mich die mächtige Kaiſerin nennen, doch das alte, garſtige Weib nit' von Deiner Seite jagen könnt'! Um Deinetwillen würd's mich grämen, Franzel! Nun Du nicht da biſt, was iſt's da weiter! Die Hofleut' werden's mir doch nit ſagen, daß ich häßlich bin, und meine Kinder werden es der Mutter wohl vergeben, und mich auch ferner lieben! Schlaf alſo ruhig weiter, mein Franzel, ich ſchau zu Dir empor, und an meinen Augen wirſt Du mich doch erkennen. Die Augen ſind die⸗ ſelben blieben, und aus den Augen ſchaut die Seele! Schlaf, mein Franzel! Wenn wir da droben Beid erwachen, wird der Tod ſchon

Kaiſer Joſeph. 1. Abth. III 10

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