Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Kaiser Joseph und Maria Theresia : 3. Band (1857)
Entstehung
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einige Male auf und ab, dann näherte ſie ſich entſchloſſen der Wand, wo zwiſchen den beiden Fenſtern des Gemaches ſonſt der große vene⸗ tianiſche Spiegel ſich befand. Man hatte, einem alten Aberglauben zu⸗ folge, welcher verbietet, die Spiegel in der Nähe gefährlich Kranker un⸗ bedeckt zu laſſen, auch dieſen Spiegel hier verhüllt, und ein ſchwerer ſeidener Vorhang verbarg ihn jetzt. Die Kaiſerin ſchob mit entſchloſſener Hand den Vorhang bei Seite, aber hinter demſelben fand ſie nicht den erwarteten Spiegel, ſondern ein lebensgroßes, meiſterhaftes Portrait ihres ſo heiß geliebten, ſo tief betrauerten Gemahls, des Kaiſers Franz.

Die Kaiſerin ſtieß einen Schrei der Ueberraſchung aus, und ſchaute lange und mit einem ſeligen Lächeln zu dem Bilde empor. Gott grüß Dich, mein Franzel, mein großer Kaiſer, flüſterte ſie. Schauſt mich ſo freundlich und ſo herzig an, wie Du's allzeit im Leben gethan. Haſt nimmer für mich ein anderes Geſicht und einen anderen Ausdruck ge⸗ habt, und wirſt Dich auch jetzt mir nicht ändern, wenn ich auch nim⸗ mer mehr Deine ſchöne und ſchmucke Maria Thereſia bin, ſondern ein häßliches, altes Weib, dem ſie die Spiegel fortnehmen müſſen, damit ſie nit erſchrickt vor ihrer eigenen Fratz! Schau mich an mit Deinen lieben glänzenden Augen, mein herziger Franzel, ſie ſind mir immer der beſte Spiegel geweſen, und in ihnen hab' ich mein beſtes und ſchönſtes Lebensglück erſchaut. Deine Augen ſind erloſchen, der Spiegel meines Glückes iſt erblindet, und mit ihr meine Jugend und meine Schönheit!'S hat keinen Werth für mich, denn ſeit Du nicht mehr an meiner Seite biſt, mein Franzel, iſt Deine Maria Thereſia keine Frau mehr, ſondern nur noch eine Kaiſerin, und die werd' ich ſchon bleiben können, wenn auch die Pocken mein Antlitz verunſtaltet haben!

Aber ich will's wiſſen, wie ich ausſchau, ſagte ſie, von dem Bilde zurücktretend. Wills ihnen Allen zeigen, daß ich nicht ſo feig und ſo eitel bin, wie ſie vermeinen!

Sie trat zum Tiſch und ſchellte mit der goldenen Handklingel. Sofort öffnete ſich die Thür des Nebengemaches, und Charlotte von Hieronymus trat ein. Die Kaiſerin begrüßte ſie mit einem freundlichen Kopfnicken. Es iſt Zeit zur Toilette, ſagte ſie unbefangen, will heut wieder einmal en famille mit dem Kaiſer und meinen übrigen Kindern ſpeiſen, und da wird's nöthig ſein, einmal wieder ein wenig Sorgfalt

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