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Laiſer
Eins habe ich vergeſſen, Majeſtät? fragte Joſeph. Ja, mein Sohn, und zwar Eins, welches eine Frau nimmer ver geſſen haben würde, die Spiegel!
Die Spiegel! rief Joſeph erſchrocken. Ja in der That, Ew. Ma jeſtät haben Recht, die Spiegel habe ich vergeſſen! Aber ich werde dieſes Verſehen, um welches ich Ew. Majeſtät tauſend Mal um Ver⸗ zeihung bitte, wieder gut machen. Die ſchönſten venetianiſchen Spiegel ſollen in einigen Wochen ſchon dieſe Gemächer hier zieren!
Die Kaiſerin hatte, während Joſeph ſprach, ihn mit feſten, ſchar fen Blicken angeſchaut, und ſehr wohl ſeine Befangenheit und Verlegen⸗ heit bemerkt; jetzt wandte ſie langſam das Auge zu ihren Töchtern hin, und ſah wie plötzlich das Lächeln von ihren Lippen gewichen war, wie ſie mit niedergeſchlagenen Augen, ſichtbar befangen, ihr gegenüber ſtanden.
In einigen Wochen erſt ſoll ich meine Spiegel haben! ſagte Maria Thereſia nach einer Pauſe. Es ſcheint, mein Sohn, Du hältſt mich für wenig eitel, daß Du vermeinſt, ich könnte Wochen lang der Spiegel entbehren, und der Freude, mein eigen Antlitz zu ſchauen. Denk doch, die böſen Pocken werden Reſpect gehabt haben vor dem Antlitz einer Kaiſerin, und ſie werden es nit gewagt haben, ihre böſen Schriftzeichen auch über meine Wangen zu ziehen! Nicht wahr, meine kleine Marie Antoinette, man ſieht nichts von den Pocken mehr in meinem Angeſicht?
Die junge Erzherzogin ſchreckte zuſammen bei dieſer Frage, und hob langſam ihre großen Augen zu ihrer Mutter empor. Meine gnä dige Mama iſt immer noch ſo ſchön, als ſie war, ſagte das Kind mit bewegter zitternder Stimme.
Und Ew. Majeſtät werden für uns auch dann noch ſchön ſein, wenn das Alter längſt ſchon ſeine Schriftzeichen und Runzeln durch Ihr Antlitz gezogen, ſagte Joſeph mit innigem Ton. In den Herzen Ihrer Kinder wird auch dann noch das ſchöne, ſtrahlende Bild unſerer Erinnerungen nicht verbleichen, welches uns unſere edle, erhabene Mutter im Glanz der Schönheit, der Jugend und Anmuth zeigt! Eine edle, angebetete Mutter bleibt für ihre Kinder immer jung und ſchön!
Die Kaiſerin erwiderte nichts; ſie verabſchiedete mit einem freund⸗ lichen Kopfnicken ihre Kinder, und trat dann in ihr Wohnzimmer zurück. Mit haſtigen Schritten, verloren in tiefen Gedanken, ging Maria Thereſia


